Jenseitig verklärt
Gemeinhin gilt eine Filmmusik dann als adäquat, wenn sie hinter oder unter den Bildern so verschwindet, dass man sie nicht mehr bewusst wahrnimmt: Musik als Funktionsträger, als Geschmacksverstärker. Damit hat freilich der 61-jährige Kölner Johannes Kalitzke nichts am Hut. Seit geraumer Zeit beschäftigt sich der Komponist und Dirigent (nicht nur in eigener Sache) mit neuen Musiken zu Stummfilmen.
Nicht um die Untermalung oder Illustration von laufenden Bildern aus der Frühzeit der Filmgeschichte geht es dabei.
Vielmehr (be-)sieht (sich) Kalitzke das Material im Hinblick auf die jeweilige Bildästhetik, um aus diesen Parametern eigenständige «Tonspuren» abzuleiten. Sie sollen, wie der Komponist es nennt, eine klangliche «Subkontur» erzeugen.
Das jüngste, beim Auftrag gebenden Carinthischen Sommer in Villach uraufgeführte Projekt ist ausufernd umfangreich. Es geht um eine filmhistorische Ikone, Carl Theodor Dreyers «Jeanne d’Arc» von 1928. Schon der Film erzählt nicht die Geschichte des lothringischen Bauernmädchens, das als Bannerträgerin Frankreichs den Kampf gegen die Engländer und Burgunder führte. Er nimmt vielmehr das Ende Jeannes in den Blick, macht die historischen Protokolle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2020
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Karl Harb
Krisenmanagement
Wie so viele einst ruhmreiche Musentempel durchlebt auch das Mariinsky Theater gerade eine schwierige Phase. Die Gründe dafür sind vielschichtig und schwer zu durchschauen. Ein Briefreport aus Sankt Petersburg
Verführertalent
Eigentlich war das Violoncello sein Instrument. Doch als es ernst wurde, entschied sich Andrè Schuen für ein Gesangsstudium...
Glück im Unglück: Eine defekte Sprinkleranlage, die das Duisburger Theater unter Wasser setzte, vereitelte im vergangenen Jahr die Aufführung des 2017 in Düsseldorf begonnenen, mittlerweile komplettierten «Rings» in der Inszenierung von Dietrich Hilsdorf. Doch die Notlösung einer konzertanten Wiedergabe in der benachbarten Mercatorhalle erwies sich dann für den...
Am schlimmsten sind die Wutbürger. Kläffen sich die Seele aus dem Leib, sobald der Vorhang fällt, in der Hoffnung, man werde ihnen die gebührende Aufmerksamkeit schenken. Und, so betrüblich es ist: Es funktioniert. Der ganze Saal blickt sich um, wenn aus den oberen Rängen, wo die Schreidackel bevorzugt sitzen, das niederschmetternde «Buh» auf die armen Künstler,...
