Verrätselt

Pergolesi/Pärt: Stabat Mater
FREIBURG | THEATER

Wie oft müsste man leben, um aus dem Tod klug zu werden?» Der Schriftsteller und Philosoph Elias Canetti formulierte diese Frage in seinen zahlreichen Schriften über den Tod, mit dem er haderte, den er am liebsten abgeschafft hätte – «wenn es ginge». Allein, es geht nicht. Bislang.  Man weiß nicht, ob Andriy Zholdak ähnlich wie Canetti dem Tod den Krieg erklärt hat. Und man erfährt es auch bis zum Ende dieser Produktion nicht, mit der die Spielzeit am Theater Freiburg eröffnet wurde.

Die Allmacht des Todes, zumal, wenn er wie in diesem Jahr in unser Leben als Schatten einer Pandemie eintritt, ist wohl unendlich.

Aber das ahnte wohl auch Giovanni Pergolesi, als er sein «Stabat Mater» schrieb – finales Werk eines bereits nach 26 Jahren endenden Lebens. Die tiefe, berührende Trauer in der Musik Pergolesis, um die der Abend eine Klammer mit zwei zentralen Werken Arvo Pärts legt, verpufft in Zholdaks üppiger, aber sich in allzu vielen Rätseln verhaspelnder Bildsprache.  Der innere Disput des ukrainischen, in Deutschland lebenden Regisseurs mutet an wie Schattenboxen. Zwischen zwei Protagonisten, die er in der Rahmenhandlung vor einer Projektionswand Angel (Engel) und Mephisto nennt. ...

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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Alexander Dick

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