«Jeder ist für sich selbst verantwortlich»
Frau Erdmann, beginnen wir apodiktisch. Es wird behauptet, Künstler seien abgehobene Wesen. Womöglich ein falsches Bild. Aber es ist in der Welt. Wer transportiert dieses Bild?
Na ja, wer transportiert das? Das sind schon die Medien.
Wer gibt den Medien die Informationen, ohne die sich ein solches Image kaum fügen lässt?
Vielleicht wollen die Menschen genau das im Künstler sehen: dass dieser etwas anderes darstellt als das, was sie im eigenen Privatleben vorfinden.
Eine Art Erhöhung?
Ja, durchaus.
Aber das hat auch etwas von Zirkusartisten, die mit ihren Wohnwagen
herumfahren, keine Wurzeln haben und eben dadurch abgehoben sind, im bildlichen Sinn. Dass aber zu all dem, was wir Sänger anscheinend wie von selbst tun, zu den Auftritten, dem Erfolg, harte Arbeit und ein hohes Maß an Disziplin gehören, wissen die wenigsten. Und ebenso wenig wissen sie, dass der Beruf nicht selten Entbehrungen mit sich bringt.
Als wir uns das letzte Mal getroffen haben, vor vier Jahren in Frankfurt, galten Sie in Fachkreisen zwar als sehr begabte Sängerin, nicht aber als eine Künstlerin, der man in jedem Fall eine große Karriere zutraute. Jetzt sind Sie, nicht zuletzt nach Ihrem hoch gerühmten Salzburger ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Interview, Seite 32
von Jürgen Otten
Die Werkgeschichte ist so kompliziert wie die Zeit, in der Schostakowitschs Oper «Lady Macbeth von Mzensk» zur Welt kam. Nach der Premiere 1934 wurden im Folgejahr die ersten (Text-)Änderungen vorgenommen, bevor die Oper nach dem Prawda-Aufsatz «Chaos statt Musik» erst einmal auf dem Index landete und erst 30 Jahre später in einer von Schostakowitsch weiter...
Seit Pythagoras die Bewegung von Sonne, Mond und Sternen als Musik begriff und die Idee entwickelte, dass Himmelskörper den Gesetzen einer «Sphärenharmonie» gehorchen, haben Komponisten immer wieder nach dem (für den Menschen leider nicht hörbaren) Klang des Universums gesucht. Besonders die Musiktheorie des 16. und 17. Jahrhunderts hielt die pythagoreische...
Das Stück beginnt lange vor dem Stück. Während die freilufterfahrenen und mit Kissen ausgerüsteten Schweriner ihre Plätze suchen, tummelt sich das «Freischütz»-Volk schon auf der Bühne. Es lacht und trinkt, die Mädchen machen schöne Augen, die Männer zielen auf eine Scheibe. Die Ouvertüre setzt ein, alle geben die Bühne frei für das Orchester, allerdings nur im...
