Jede Stimme zählt
Frau Wedl-Wilson, welche Herausforderung bedeutet die Corona-Krise für eine Musikhochschule?
Wir waren bis zum Ausbruch dieser Pandemie nicht digital. So ist es zum Beispiel nicht selbstverständlich, dass jeder und jede unserer Studierenden einen Laptop besitzt. Etwas zugespitzt kann man sagen: Unsere wichtigsten Arbeitsgeräte wurden nicht im 21. Jahrhundert in Silicon Valley, sondern im 18. Jahrhundert in Cremona hergestellt. Ein Problem, dem wir uns im Eiltempo stellen mussten.
Für Diskussionen, ob wir das überhaupt wollen, für Abstimmungsprozesse in den Gremien war keine Zeit. Am 30. März hätte das Sommersemester beginnen sollen, am 19. März haben wir vom Berliner Senat die Anweisung bekommen, auf digitalen Unterricht umzustellen. Immerhin konnten wir den Semesterstart auf den 20. April verschieben. Es ging nur um eines: Das Semester für unsere Studierenden zu retten.
Die jetzt über die halbe Welt verstreut sind.
Viele konnten gar nicht erst anreisen, andere sind zu Beginn der Krise nach Hause gefahren. Eine gute Entscheidung, denn dort sind sie besser aufgehoben, haben Räumlichkeiten zum Üben und stabiles WiFi. Wir wissen tatsächlich nicht, wie viele unserer Studierenden sich ...
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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Thema Ästhetische Erfahrung, Seite 42
von Udo Badelt
Und wer einmal Blut geleckt hat im Theater, der kann ohne Theater nicht mehr existieren.» So zitiert die Hauswirtschafterin Frau Zittel den verstorbenen Professor Schuster in Thomas Bernhards «Heldenplatz». Als Psychiater und Stressforscher weiß ich: Das Theater hält uns als Gesellschaft seelisch gesund. Theater ist ein Antidot gegen Stress. Tagsüber behandle ich...
Porridge gehört zu den wenigen Lebensmitteln, die im Moment schwer zu kriegen und rationiert sind in britischen Supermärkten: Offenbar hamstert die Bevölkerung für eventuelle Engpässe fleißig Haferflocken. Mit gutem Grund. Porridge ist der reinste Krisenklassiker, hat sich – sehr günstig, sehr haltbar – schon in der Vergangenheit bewährt.
Viel zu häufig wurde...
Nadia (1887–1979) und Lili Boulanger (1893–1918) wuchsen in einem musikalischen Elternhaus auf – der Vater war Komponist und Gesangslehrer, die russische Mutter Sängerin. Beide Schwestern waren hochbegabt und komponierten von Jugend an. Lili erhielt 1913 als erste Frau den begehrten Rom-Preis des Pariser Conservatoire. Nadia, die nach Lilis Tod das Komponieren...
