Eiertanz auf Flickenteppich

Freischaffende Künstler sind von der Stilllegung des Spielbetriebs besonders hart betroffen. Nicht alle Häuser waren bereit, ihnen mit Ausfallzahlungen beizustehen. Aber es gibt auch Licht am Horizont

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Zu Beginn waren es rund ein Dutzend Willige. Das Münchner Volkstheater reihte sich ein, das Theater Hof, aber auch die Oper in Kopenhagen oder die English National Opera und das Royal Opera House in London. Je länger der Lockdown dauerte, desto eher hatten auch andere Häuser ein Einsehen. Keine Vorstellung wegen Corona, keine Gage für Gastsolisten – der Beton dieser simplen, existenzgefährdenden Gleichung begann zu bröckeln. Johannes Martin Kränzle listet die wohlmeinenden Häuser auf seinem Facebook-Account alle auf, unterstützt von Kollegen, Bekannten und Followern.

Manche zahlen 30, manche 50, andere 80, einige wenige sogar 100 Prozent Ausfallhonorar. «Mir ging es nicht darum, dass sich die freien Künstler beklagen», sagt Kränzle. «Ich wollte positiv wirken und zeigen, welche Theater in dieser einzigartigen Situation Fortzahlungen vornehmen. Und vielleicht können diese Beispiele eine Art moralischen Druck auf andere Häuser ausüben.»

Das ist nun passiert. Nicht überall. Doch so mancher Finanz- und politischer Entscheidungsträger denkt um. Ende April gelang sogar eine wegweisende Tarifeinigung zwischen dem Deutschen Bühnenverein (auf Arbeitgeberseite) und drei Gewerkschaften, der ...

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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Focus Spezial Help!, Seite 30
von Markus Thiel

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