Eiertanz auf Flickenteppich
Zu Beginn waren es rund ein Dutzend Willige. Das Münchner Volkstheater reihte sich ein, das Theater Hof, aber auch die Oper in Kopenhagen oder die English National Opera und das Royal Opera House in London. Je länger der Lockdown dauerte, desto eher hatten auch andere Häuser ein Einsehen. Keine Vorstellung wegen Corona, keine Gage für Gastsolisten – der Beton dieser simplen, existenzgefährdenden Gleichung begann zu bröckeln. Johannes Martin Kränzle listet die wohlmeinenden Häuser auf seinem Facebook-Account alle auf, unterstützt von Kollegen, Bekannten und Followern.
Manche zahlen 30, manche 50, andere 80, einige wenige sogar 100 Prozent Ausfallhonorar. «Mir ging es nicht darum, dass sich die freien Künstler beklagen», sagt Kränzle. «Ich wollte positiv wirken und zeigen, welche Theater in dieser einzigartigen Situation Fortzahlungen vornehmen. Und vielleicht können diese Beispiele eine Art moralischen Druck auf andere Häuser ausüben.»
Das ist nun passiert. Nicht überall. Doch so mancher Finanz- und politischer Entscheidungsträger denkt um. Ende April gelang sogar eine wegweisende Tarifeinigung zwischen dem Deutschen Bühnenverein (auf Arbeitgeberseite) und drei Gewerkschaften, der ...
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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Focus Spezial Help!, Seite 30
von Markus Thiel
Von «Berufsverboten» für Künstler spricht Monika Grütters am 29. April im Rundfunk Berlin-Brandenburg. Es ist ein Wort, das noch vor sehr kurzer Zeit mitten in Westeuropa nach Literatur oder entfernteren Geschichtsepochen geklungen hätte, ein Wort wie «Notstand» oder «Ausgangssperre». Jetzt nimmt es ein Mitglied des Bundeskabinetts in den Mund, und es fühlt sich...
Die jüngste Produktion des Theaters für Niedersachsen musste unmittelbar vor der Premiere abgesagt werden. Ein ehrgeiziges Projekt: Die Barockspezialistin Sigrid T’Hooft hatte für Hildesheim Reinhard Keisers «Der hochmütige, gestürzte und wieder erhabene Croesus» inszeniert. Vor wenigen Jahren kursierten noch Schließungsgerüchte um das 600-Plätze-Haus. Dann machte...
Adolf Sliwinski, Leiter des Verlags Felix Bloch Erben, konnte dem Komponisten Franz Lehár im Mai 1909 imposante Zahlen für seine «Lustige Witwe» melden: 18 000 Aufführungen in 422 deutschen, 135 englischen und 154 amerikanischen Städten. Drei Jahre nach der Uraufführung hatte die Operette einen Hype ausgelöst, der sich im Verkauf von Souvenirartikeln ebenso...
