Jagd aller auf alle
Don Giovanni»: ein (Komödien-)Tohuwabohu. Aber auch die Jagd aller auf alle. 1789, ein Jahr nach der Wiener Erstaufführung, bricht die Französische Revolution aus, die sich auch in Österreich schon abzeichnete, sogar in Mozarts kompositorische Strukturen einging: Wenn in der Tanzszene im ersten Finale Adels-Menuett, bürgerliche Contredanse und bäuerlicher Ländler gleichzeitig stattfinden, geschieht, was vorher kaum denkbar gewesen wäre: Die soziale Hierarchie löst sich auf.
Die realen Machtverhältnisse historisch im Detail zu rekonstruieren, ist so unmöglich wie letztlich unergiebig. Doch die Folgen der aus dem angeblichen Lot geratenen Gesellschaft verlängernd darzustellen, die Figuren aus der Situation heraus neu auszuleuchten, erweist sich als durchaus produktiv. Tilman Knabe hat für seine Mainzer Inszenierung kräftige Konsequenzen gezogen, indem er das Ganze in ein gegenwärtiges Bürgerkriegs-Szenario überführt, mit einem Amüsier-Hotel als Drehscheibe im doppelten Sinn. Ein arabischer Schriftzug verweist auf asiatisch-afrikanische Konfliktzonen. Wer hier gegen wen kämpft, bleibt offen, waffenfuchtelnde Milizen rasen im Kreis – und die TV-Teams hängen wie Kletten an dem jeweils ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhard R. Koch
Impressum
55. Jahrgang, Nr 5
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752267
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 11.04.2014
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Geigen sirren, Holzbläser flattern in höchster Lage. Tuba und Posaunen rumoren tief unten im Unbewussten. Die Trompete bläst Attacke. Die Trommel marschiert. Der Männerchor skandiert tonlos «Reiten, Reiten, Reiten, Reiten». Den gefühlten Hauptpart in Ornute Narbutaites Rilke-Oper «Kornetas» aber spielt das impressionistisch farbige Schlagwerk. Das Vibrafon, mit dem...
Der Lustschrei aus dem Auditorium gleich nach dem letzten Akkord des «Don Giovanni» erinnert an die Zuschauer-Hysterie zu Zeiten Karajans, und obwohl Nikolaus Harnoncourt einmal als «Un-Karajan» bezeichnet wurde, scheint vieles nicht unähnlich: ekstatische Publikumsreaktionen, der Medien-Hype und die -Verwertung. Als Ersatz für die wegen des unpässlichen Regisseurs...
