Cornet, c'est moi
Geigen sirren, Holzbläser flattern in höchster Lage. Tuba und Posaunen rumoren tief unten im Unbewussten. Die Trompete bläst Attacke. Die Trommel marschiert. Der Männerchor skandiert tonlos «Reiten, Reiten, Reiten, Reiten». Den gefühlten Hauptpart in Ornute Narbutaites Rilke-Oper «Kornetas» aber spielt das impressionistisch farbige Schlagwerk. Das Vibrafon, mit dem Geigenbogen gestrichen, flirrt extraterrestrisch. Celesta, Glockenspiel, Röhrenglocken, Becken, Xylofon, Tam Tam, Glasharmonika hüllen unermüdlich erfindungsreich alles pausenlos in gläserne Unwirklichkeitswatte.
Für eine Kriegsoper ist der Zweistünder erstaunlich leise, der Satz trotz Riesenorchester meist kammermusikalisch. Nur einmal wird es apokalyptisch laut: kurz vor Ende, wenn die Türken das Schloss, in dem der junge Cornet seine erste und letzte Liebesnacht erlebt, in Brand stecken.
An Rilkes Prosa-Gedicht (1899) interessiert Litauens meistausgezeichnete Komponistin (Jahrgang 1956) aber nicht, dass es eine Generation junger Männer für den «Heldentod» begeisterte, weil es die Grenze zwischen Sex und Sterben verwischte. Ihr geht es um die Tagtraum-Atmosphäre der Dichtung. Im Bewusstseinsstrom überfluten den ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Boris Kehrmann
Jubilare
Er gehört zu den wenigen französischen Opernsängern, die 18 Jahre in Folge an der New Yorker Met gastierten. Der Bariton Gabriel Bacquier erhielt seine musikalische Ausbildung zwischen 1945 und 1950 am Pariser Konservatorium und war von 1953 bis 1956 Ensemblemitglied am Brüsseler Opernhaus La Monnaie, wo er französisches und italienisches Repertoire sang....
Das Jahr 1933 brachte für viele in Deutschland die Katastrophe: Entweder waren sie jüdischer Herkunft oder aber «links» orientiert – am fatalsten wirkte sich aus, wenn beides zusammenkam. Dabei waren die Konnotationen keineswegs einheitlich. Es gab weitgehend assimilierte Juden, zum Teil areligiös – und bisweilen sogar «deutsch» bis zum Nationalen hin. Dann...
Mit seinen Opern hatte Antonín Dvorák, mit Ausnahme von «Rusalka», außerhalb Böhmens wenig Glück. Der 1875 komponierten «Vanda» war selbst in seiner Heimat kein Erfolg beschieden: Der Fünfakter im Stil der französischen Grand opéra fiel bei der Prager Premiere durch und ist heute gründlich vergessen. Zu Unrecht, wie jetzt die Osnabrücker Aufführung bewies. Gewiss...
