Irrlichternde Rollgitter
Da ist gerade ein Mann Amok gelaufen und hat alles um sich herum zerstört. Nun überfällt ihn eine plötzliche Müdigkeit. Lediglich zwei warme, zarte Viole
d’amore begleiten den Mann. Und niemand weiß, ob es danach jemals wieder ein Leben gibt. Es war dies die ergreifendste Szene des ganzen Abends. Das Erwachen von David Daniels in der Münchner Erstaufführung von Händels «Orlando» brachte die Geschichte vom Soldaten, der der Liebe zugunsten von kriegerischem Ruhm und Ehre abschwört, freilich zu einem bitteren Ende.
Der blaue Superman mit seinen unnatürlich breiten Schultern wird von seinen «Kameraden» wieder als Kampfmaschine auf ein Roboter-Ungetüm gesetzt – ein Zwitter aus ferngesteuerter Riesenkrake und Feuer speiendem Panzer.
David Alden liebt grelle Effekte, bei der visuelle Knaller die Personenregie überdecken – oder ersetzen. Dank der variablen Einheitsbühne von Paul Steinberg und den frechen Kostümen von Buki Shiff kommt auch diesmal keine Langeweile auf. Die Bühne signalisiert Überlebenskampf. Flexible orangefarbene Wände, die wie überdimensionale Rollgitter einer Kaserne oder Fabrik aussehen, begrenzen den Raum, können von innen beleuchtet werden oder auch – wenn der ...
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Der Zuschauerraum des Innsbrucker Landestheaters spielt in diesem «Don Giovanni» immer mit, nicht nur wenn in der hier favorisierten Wiener Fassung Zerlina den Schwindler Leporello frech herausfordert und hinter dem Dirigenten an einen Stuhl fesselt. Von Anbeginn ist klar: Hier wird Theater gespielt. So schleichen sich die Figuren noch vor ihrem eigentlichen...
Kleine Opernhäuser leben im Spagat. Einerseits sind sie für kulturelle Basisversorgung zuständig, sprich, sie müssen ihrer Stadt samt Umland früher oder später eine «Bohème» anbieten, und auch ein Musical wird gelegentlich erwartet. Andererseits brauchen sie als Legitimation überregionales Echo. Das klappt eigentlich nur durch konstante Arbeit am Niveau und durch...
«Orest» in Berlin, das Benefizkonzert des Bundespräsidenten in Baden-Baden, «Don Giovanni» in Feldkirch, «Il re pastore» bei den Salzburger Festspielen und, und, und: Ist 2006 auch ein «Hengelbrock-Jahr»?
(lacht) Jedes meiner Lebensjahre war bisher ein Hengelbrock-Jahr. Vielleicht ist es einfach durch die Prominenz der Spielstätten ein bisschen mehr ins Bewusstsein...
