Irrlichternde Rollgitter
Da ist gerade ein Mann Amok gelaufen und hat alles um sich herum zerstört. Nun überfällt ihn eine plötzliche Müdigkeit. Lediglich zwei warme, zarte Viole
d’amore begleiten den Mann. Und niemand weiß, ob es danach jemals wieder ein Leben gibt. Es war dies die ergreifendste Szene des ganzen Abends. Das Erwachen von David Daniels in der Münchner Erstaufführung von Händels «Orlando» brachte die Geschichte vom Soldaten, der der Liebe zugunsten von kriegerischem Ruhm und Ehre abschwört, freilich zu einem bitteren Ende.
Der blaue Superman mit seinen unnatürlich breiten Schultern wird von seinen «Kameraden» wieder als Kampfmaschine auf ein Roboter-Ungetüm gesetzt – ein Zwitter aus ferngesteuerter Riesenkrake und Feuer speiendem Panzer.
David Alden liebt grelle Effekte, bei der visuelle Knaller die Personenregie überdecken – oder ersetzen. Dank der variablen Einheitsbühne von Paul Steinberg und den frechen Kostümen von Buki Shiff kommt auch diesmal keine Langeweile auf. Die Bühne signalisiert Überlebenskampf. Flexible orangefarbene Wände, die wie überdimensionale Rollgitter einer Kaserne oder Fabrik aussehen, begrenzen den Raum, können von innen beleuchtet werden oder auch – wenn der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Blauweiße Kacheln mit Herzchenmuster. Weißes Giebelfachwerk, Krüge schwenkende Bauern. Eine Wiederauflage von Heinz Schenks legendärem «Blauen Bock»? Beinahe! Stein Winge inszeniert an der Oper Frankfurt Bedrich Smetanas «Verkaufte Braut». Der norwegische Regisseur verpflanzt die tschechische Festoper par excellence in eine spießige Tümelei. Kostümbildner Jorge...
Man kommt nicht sofort darauf. Zu abstrakt klingt beim ersten Hinhören, bei der ersten Begegnung der Titel des neuen Stücks von Ruedi Häusermann, zu intellektuell überhöht, als dass man sogleich auf die Idee verfiele, es könnte sich bei «Gewähltes Profil: Lautlos» ganz und gar profan um eine Einstellung handeln, die sich auf den meisten Mobiltelefonen findet. Eben...
In den Kulturmetropolen Nordamerikas und Europas ist Kunst aus China gegenwärtig le dernier cri. Mit dem Aufstieg der Milliarden-Nation zur Wirtschaftssupermacht ist auch das Interesse an Erzeugnissen des sich zaghaft der Aufsicht durch die kommunistische Partei entwindenden chinesischen Kulturbetriebs sprunghaft angewachsen. Die Regisseure Chen Kaige, Zhang Yimou...
