Irrlichternde Rollgitter

München, Händel: Orlando

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Da ist gerade ein Mann Amok gelaufen und hat alles um sich herum zerstört. Nun überfällt ihn eine plötz­liche Müdigkeit. Lediglich zwei warme, zarte Viole
d’amore begleiten den Mann. Und niemand weiß, ob es danach jemals wieder ein Leben gibt. Es war dies die ergreifendste Szene des ganzen Abends. Das Erwachen von David Daniels in der Münch­ner Erstauffüh­rung von Händels «Orlando» brachte die Geschichte vom Soldaten, der der Liebe zugunsten von kriegerischem Ruhm und Ehre abschwört, freilich zu einem bitteren Ende.

Der blaue Superman mit seinen unnatürlich breiten Schultern wird von seinen «Kameraden» wieder als Kampfmaschine auf ein Roboter-Ungetüm gesetzt – ein Zwitter aus ferngesteuerter Riesenkrake und Feuer speiendem Panzer.
David Alden liebt grelle Effekte, bei der visuelle Knaller die Personenregie überdecken – oder ersetzen. Dank der variablen Einheitsbühne von Paul Steinberg und den frechen Kostümen von Buki Shiff kommt auch diesmal keine Langeweile auf. Die Bühne signalisiert Überlebenskampf. Flexible orangefarbene Wände, die wie überdimensionale Rollgitter einer Kaserne oder ­Fabrik aussehen, begrenzen den Raum, können von innen beleuchtet werden oder auch – wenn der ...

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Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
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