Ironisch verschwipst

Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg
Mannheim | Nationaltheater

Opernwelt - Logo

Nein, auf altdeutsche Traulich- und Knorrigkeit braucht eine aktuelle «Meistersinger»-Interpretation nicht zu verzichten, wenn man sie nicht eins zu eins und zum Anlass für nationale Einpeitschungsrituale nimmt. Nigel Lowerys Tribut an Butzenscheibenästhetik und wuseligen Detailreichtum zielt eher auf ironische Verschwipsung, Pathosreduktion, verkleinerte Perspektiven. Die große, breite Wagnerkomödie wird durchs umgekehrte Fernrohr betrachtet.

Liebevolle Blicke sind das im Nationaltheater Mannheim, sogar das Parkett ist in die Handlung einbezogen: Lowery kümmert sich schier um alles Sichtbare – bis zu den wie von Dürer abgemalten Kostümen der skurrilen Meister. Deutet das auf besondere Konfrontationen, auf ein angeheiztes theatralisches Debattenklima im sinnfällig gemachten Streit um Kunst und Lebensart? Wohl kaum, denn Lowerys Spektakel ist bunt geraten, fast kunterbunt, und außer der Vermeidung feierlich angestrengter Geschwollenheit möchte man ihm keine Tendenz unterschieben.

Ein Kasten verengt den Spielrahmen demonstrativ; fast muss man an Puppentheater denken, und tatsächlich werden bei der Prügelszene und den finalen Zunftaufmärschen Puppen zum Einsatz gebracht. Hinter dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Hans-Klaus Jungheinrich

Weitere Beiträge
Flüchtige Reize

Mit Wagner könne man ihn jagen, verkündete noch vor Jahren der Regisseur Dietrich W. Hilsdorf. Als ihm aber, etliche Verdi- und Operetten-Inszenierungen später, vom Rheinoper-Intendanten Christoph Meyer der «Ring»  angeboten wurde, hatte die Jagd ein Ende. Hilsdorf grub sich tief in die Wagner-Materie ein. Nach der Premiere der «Götterdämmerung» am Düsseldorfer...

Körpersatt

Es ist schon erstaunlich, was für ein mittelmäßiger Librettist Lorenzo da Ponte ohne Mozart als Kompagnon sein konnte. In seinem Buch zu Vincente Martín y Solers «Una cosa rara» wirken Situationen wie Charaktere lediglich behauptet, lösen sich die Konflikte in Luft auf, spätestens wenn die Königin mal wieder rettend eingreift. Man darf diese Isabella als Ebenbild...

Was kommt... Dezember 2018

Mark Padmore
Seine Vielseitigkeit ist Legende. Wer den britischen Tenor in der vergangenen Saison als Artist in residence bei den Berliner Philharmonikern erlebte, konnte sich davon überzeugen. Padmore beeindruckte sowohl als Oratoriensänger bei Haydn und Schumann als auch mit Interpretationen zeitgenössischer Liedzyklen. Vom Lied kommt er, zum Lied zieht es ihn...