Ironisch verschwipst
Nein, auf altdeutsche Traulich- und Knorrigkeit braucht eine aktuelle «Meistersinger»-Interpretation nicht zu verzichten, wenn man sie nicht eins zu eins und zum Anlass für nationale Einpeitschungsrituale nimmt. Nigel Lowerys Tribut an Butzenscheibenästhetik und wuseligen Detailreichtum zielt eher auf ironische Verschwipsung, Pathosreduktion, verkleinerte Perspektiven. Die große, breite Wagnerkomödie wird durchs umgekehrte Fernrohr betrachtet.
Liebevolle Blicke sind das im Nationaltheater Mannheim, sogar das Parkett ist in die Handlung einbezogen: Lowery kümmert sich schier um alles Sichtbare – bis zu den wie von Dürer abgemalten Kostümen der skurrilen Meister. Deutet das auf besondere Konfrontationen, auf ein angeheiztes theatralisches Debattenklima im sinnfällig gemachten Streit um Kunst und Lebensart? Wohl kaum, denn Lowerys Spektakel ist bunt geraten, fast kunterbunt, und außer der Vermeidung feierlich angestrengter Geschwollenheit möchte man ihm keine Tendenz unterschieben.
Ein Kasten verengt den Spielrahmen demonstrativ; fast muss man an Puppentheater denken, und tatsächlich werden bei der Prügelszene und den finalen Zunftaufmärschen Puppen zum Einsatz gebracht. Hinter dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Hans-Klaus Jungheinrich
Scott, man beschreibt Dich als «Verdi-Bariton». Ich habe aber auch schon «Texas-Bariton» gehört. Du magst keine Labels, oder?
Ich bin stolz, Texaner zu sein. Aber «Texas-Bariton»? Die Kollegin aus München ist ja auch kein «Bayerischer Sopran», der Typ aus Tulsa kein «Oklahoma-Bass». «Texas-Bariton» klingt, als käme ich lassoschwingend zu Pferde daher. So ein...
alpha
02.12. – 20.15 Uhr
Bach: h-Moll Messe
Chor des BR
09.12. – 20.15 Uhr
Jansons dirigiert Berg und Bruckner
Chor des BR
16.12. – 20.15 Uhr
Hengelbrock dirigiert Mozart
30.12. – 20.15 Uhr
Jansons dirigiert Dvořák
arte
03.12. – 00.40 Uhr
Mozart: Die Zauberflöte
Théâtre La Monnaie, Brüssel
ML: Manacorda, I: Castellucci, S: Bretz, van Ingelgem, Noldus, Karthäuser,...
Gemessen an den Preisen, die sie bislang abgeräumt hat – beispielsweise den Beverly Sills Award der Met (2018) und den Richard Tucker Award (2017) –, ist es schon fast erstaunlich, dass Nadine Sierra (30) erst jetzt bei einem Major Label ihr CD-Debüt gibt. Zumal die aus Florida stammende Sopranistin mit familiären Wurzeln in Puerto Rico und Portugal ziemlich genau...
