Introvertiert

Vesselina Kasarova singt Händel

Opernwelt - Logo

Später Triumph für Giovanni Carestini: Nachdem schon vor wenigen Monaten der französische Countertenor Philippe Jarouss­ky sein neues Album dem Vielseitigsten unter den großen Kastraten gewidmet hatte, zollt nun auch Vesselina Kasarova dem Uraufführungsinterpreten zahlloser Barock­opern ihren Tribut.

Im Gegensatz zu Jarouss­kys Porträtalbum, das die stimmliche und musikalische Entwicklung Carestinis an Arien verschiedener Komponisten von Porpora bis Gluck nachzeichnet, konzentriert sich die bulgarische Mezzosopranistin lediglich auf Carestinis Händel-Partien und ergänzt Ausschnitte aus ihren Paraderollen in «Alcina» und «Ariodante» um sechs Arien aus den seltener zu hörenden Opern «Ottone», «Il Pastor Fido» und «Arianna in Creta».
Der Titel «Sento brillar» führt allerdings in die Irre: Um das Glänzen und Strahlen geht es Kasarova nicht – die virtousen Brillierstücke wie Ariodantes «Dopo notte» oder Ruggieros «Sta nell’ircana» fehlen. Stattdessen dominieren ruhige, introvertierte Nummern, die Kasarova die Zeit lassen, jeden einzelnen Ton expressiv zu formen – eine Technik, die sie in den letzten Jahren zur unverwechselbaren Manier perfektioniert hat. Das Ausspielen einer brustig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2008
Rubrik: CDs, Seite 68
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ach, Sehnsucht

Opernverfilmungen sind heikel. Meist sind sie es, weil die Regisseure szenisch wenig Risiko eingehen. Da bildet Václav Kaslíks Verfilmung des «Fliegenden Holländer» von 1974 keine Ausnahme. Mit glutroten Segeln kommt das Schiff daher, munter tobt der Sturm; wenn die Pauken donnern, folgen synchron Blitze am Himmel. Das Ganze ist in Szene gesetzte Schauerromantik....

Forsch, lyrisch und mit Galle

Wagners «Meistersinger» feierten anno 1968 ihren hundertsten Geburtstag. Eigentlich sollte Wieland Wagner die für dieses Jahr vorgesehene Neuinszenierung in Bayreuth übernehmen, doch das Schicksal verfügte es anders, so dass Bruder Wolfgang nach Wielands Tod einspringen musste. Musikalisch blieb alles beim weit­gehend Vereinbarten: Karl Böhm dirigierte. Dass sich...

Schwarz und Weiß

Die alte dramaturgische Devise vom «Theater auf dem Theater» liegt bei der Oper «Ariadne auf Naxos» so nahe, dass man sie als ausgeleiert abbuchen könnte. Sie ist aber gerade dieser Oper fest eingeschrieben, und so erlebt der Besucher von Robert Carsens Neuinszenierung bei den Münchner Opernfestspielen das doppelte Theater schon vor Beginn der Aufführung im...