Intelligent reflektiert

Puccini: Madama Butterfly
MANNHEIM | NATIONALTHEATER

Opernwelt - Logo

Man muss es nicht als Kitsch verdammen. Doch die Verfallenheit der japanischen Geisha Cio-Cio-San an den US-Amerikaner verdient die kritische Lesart. «Madama Butterfly» ist keine Beobachtung des Exotischen durchs Fernglas. Es gibt da auch die Sichtweise der tragischen Titelheldin, die der Komponist vollkommen verinnerlicht hat. Wer ist dann aber diese Frau eigentlich? Diese Frage steht im Zentrum der intelligenten Reflexion über Puccinis Oper am Nationaltheater Mannheim.

Die Konzeption des Videokünstlers Roland Horvath und der Regisseurin Maria-Magdalena Kwaschik richtet sich nicht mehr an den handelsüblich kolonialisierenden Fantasien aus. Der Reiz des Fremden liegt vielmehr in der changierenden geschlechtlichen Identität.

Wie sich die Raupe in den Schmetterling verwandelt, so findet in den Videoprojektionen die Metamorphose des Jungen in die Frau statt; in der Oper ist Cio-Cio-San gerade mal 15 Jahre alt. Mag Puccini dies noch im Sinn gehabt haben – Butterfly könnte, ins Heute gedacht, auch ein thailändischer Ladyboy sein und die sexuelle Obsession eines amerikanischen Touristen wie des ins 21. Jahrhundert versetzten B. F. Pinkerton gerade ihm gelten. Nur hoffen diese käuflichen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Bernd Künzig

Weitere Beiträge
Rausch der Verwandlung

Philosophisch betrachtet, ist die Angelegenheit gar nicht so kompliziert, wie sie klingt. Alles Erkennen ist Erinnerung. Und das ganze Leben eine Wiederholung. Wiederholung und Erinnerung sind die gleiche Bewegung, nur in entgegengesetzter Richtung. Verfehlt man beide Kategorien, löst sich das ganze Leben in leeren Lärm auf. Vertraut man auf sie, ist man womöglich...

Apropos... Operette

Herr Behle, gibt es schon Aufführungspläne?
Ich habe Heribert Germeshausen, den Dortmunder Intendanten, total zugequatscht. Zu den für mich interessanten Häusern zählt auch das Gärtnerplatztheater, mit Intendant Josef Köpplinger habe ich den «Evangelimann» an der Wiener Volksoper gemacht. Das Gasthaus aus diesem Stück hatte ich für meine Operette ständig im Kopf....

Zerbrochene Worte

Kein Mond, nirgends. Das Universum ist schwarz. Und doch schwebt das ferne, dabei so nahe menschengesichtsgleiche Gestirn über allem, was die Muse dem Dichter eingab, was sein Gefühl durchflutet. Immer wieder ruft Pierrot, fantastische Gestalt im Weltinnenraum, diesen nächtig todeskranken Planeten an, der da auf des «Himmels schwarzem Pfühl» wohnt und dessen Blick,...