Schein und Sein
Anno 1728, auf der einsamen Höhe seiner auf das Wesentliche fokussierten Kunst des Komponierens, lässt Händel die Tropfen des bitteren Kelches gleichsam in die Venen des Helden Tolomeo einsickern. Der wähnt sich dem selbst gewählten Gifttode ganz nah, als er in seiner Arie «Stille amare, già vi sento» fragt: «Wo bin ich, lebe ich noch?» Der einstige König von Ägypten ist nach Zypern geflohen, watet auf der einsamen Insel durchs Wasser. Es gibt kein Entrinnen.
Fünf Gestrandete hat es auf das unwirtliche Eiland geworfen, die hochgradig Vereinzelten kommen aus ganz anderen Welten, sind nun zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammengeschweißt.
Weder männliche Großartigkeit noch weibliche Exaltiertheit zählen noch – es fehlt das Publikum der Bewunderer. Doch ihre alten Attribute schleppen sie weiter mit sich herum. Auf fünf Tischen – Inselchen des Individuellen innerhalb des gottverlassenen Gebiets – packen sie ihre Habseligkeiten aus, setzen sich noch einmal in Szene und werden doch schmerzlich auf sich selbst zurückgeworfen. Geschlechtsspezifisch heroisch und standesgemäß trägt Araspe, der baritonpolternde König von Zypern (Johan Hyunbong Choi), seine Krone, Säbel und Peitsche. ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Peter Krause
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der bei Redaktionsschluss (10. November) angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats Dezember 2020. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link: www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
M...
Das Ensemble der im Verbund geführten Theater von Biel und Solothurn war startklar – da schlugen die neuesten behördlichen Anweisungen zum Umgang mit der Pandemie ein. Den Schließbefehl mochte man nicht einfach so hinnehmen. Wenigstens die Premiere sollte über die Bühne gehen, und so kam «Casanova in der Schweiz» von Paul Burkhard als «Geschlossene Vorstellung»...
Eine schwierige Angelegenheit ist sie, die Liebe in den Zeiten von Corona. Hinter der Bühne, auf der Bühne, ach, überall, immerzu. Und dann dieses Stück, das durchtränkt ist vom Begehren, von der alles überwindenden Kraft der Zuneigung zweier junger Menschen, die ihr Herz gleich bei der ersten Begegnung an ihr Gegenüber verlieren und einander am liebsten auf der...
