Instandgesetzt
Fünfzig Makel in neununddreißig Minuten. Risse, Schmutz, Wasserflecken, Drop-Outs, Tonschwankungen, verblasste Farben, Unschärfen. Eine kapitale Mängelliste. Dabei war der 1969 belichtete «Othello»-Streifen nicht einmal der gravierendste Problemfall, den die Spezialisten der Hallenser Firma Digital Images während der Instandsetzungsarbeiten für jene DVD-Edition zu lösen hatten, die zum ersten Mal alle sieben erhaltenen Opernfilme Walter Felsensteins einem größeren Publikum zugänglich macht.
Das in den Defa-Ateliers Potsdam-Babelsberg gedrehte Verdi-Opus stand wenigstens im originalen 35-Millimeter-Format zur Verfügung – so wie die wenig später entstandenen Offenbach-Farbfilme «Hoffmanns Erzählungen» (1970) und «Ritter Blaubart» (1973). Das Schwarz-Weiß-Dokument der berühmten, 1956 an der Komischen Oper herausgebrachten Inszenierung von Janáceks «Das schlaue Füchslein» zum Beispiel, 1965 in den TV-Studios Berlin-Adlershof aufgezeichnet, musste auf Basis minderwertiger Kopien von Kopien rekonstruiert werden – denn das damals für harte Dollars aus den USA importierte Magnetband, auf dem der Film zunächst gespeichert war, wurde nach dessen Ausstrahlung im DDR-Fernsehen alsbald ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zur Premiere von «L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe» in Salzburg 2003 hatte der 77-jährige Henze verlauten lassen, dass er keine weitere Oper schreiben werde; vier Jahre später fand die Uraufführung seiner neuen abendfüllenden Oper «Phaedra» in Berlin statt.1 Ist es nicht erfreulich, dass auf jene frühere Aussage des Komponisten kein Verlass war? Mit...
Walter Braunfels (1882-1954) gehörte – neben Richard Strauss und Franz Schreker – zu den erfolgreichsten Komponisten der Weimarer Republik. Seine Aristophanes-Oper «Die Vögel», 1920 von Bruno Walter in München uraufgeführt, stand in den folgenden Jahren u. a. in Berlin, Stuttgart, Hamburg und Wien auf dem Spielplan. Im NS-Staat wurde Braunfels als «Halbjude» sofort...
Die deutsche Frage ist auch nach dem Ende des Kalten Krieges ein beliebtes Thema geblieben. Während sie politisch seit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten kaum noch eine Rolle spielt, taucht sie in den ästhetischen Debatten der Kulturnation umso öfter auf. Zumal, wenn es im Land Bachs, Beethovens und Brahms’ um die Musik geht. «Von deutscher Seele» – so...
