Alterswerk, hochgestimmt
Zur Premiere von «L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe» in Salzburg 2003 hatte der 77-jährige Henze verlauten lassen, dass er keine weitere Oper schreiben werde; vier Jahre später fand die Uraufführung seiner neuen abendfüllenden Oper «Phaedra» in Berlin statt.1 Ist es nicht erfreulich, dass auf jene frühere Aussage des Komponisten kein Verlass war? Mit «Phaedra» – Henzes (bisher2) jüngstem Alterswerk – liegt nun ein Fünf-Personen-Drama vor, dessen Physiognomie das empirische Alter seines Schöpfers vergessen lässt.
Es ist ein Stück von überraschender Vitalität und voller ungewöhnlicher dramatischer Konstellationen und Konflikte geworden.
Von den Merkmalen, die mit Alterswerken großer Künstler gemeinhin und zu Recht verbunden werden, trifft kaum eines auf «Phaedra» zu. Tod und Vergänglichkeit als Themen, die Henze z. B. in «Neun geistlichen Konzerten» unter dem Titel «Requiem 1993» umsetzte, sucht man in «Phaedra» vergebens. In dieser Oper bestimmen sexuelles Begehren, Lüge, Mord und Selbstmord Handlung und Ausdruck der Musik.
Auch die Neigung zu Vermächtnis und Bilanz, die ebenfalls für Alterswerke typisch ist und sich z. B. an der erwähnten «L’Upupa», einem durch und durch ...
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