Podium deutsche Musik
Die deutsche Frage ist auch nach dem Ende des Kalten Krieges ein beliebtes Thema geblieben. Während sie politisch seit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten kaum noch eine Rolle spielt, taucht sie in den ästhetischen Debatten der Kulturnation umso öfter auf. Zumal, wenn es im Land Bachs, Beethovens und Brahms’ um die Musik geht. «Von deutscher Seele» – so lautete etwa das Leitmotiv der Konzertprogramme, die der Dirigent Ingo Metzmacher in der vergangenen Saison mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin veranstaltete.
Das Motto hatte er sich von einer 1921 geschriebenen Kantate des deutschnationalsten aller deutschen Komponisten geborgt: Hans Pfitzner. Und es ist noch gar nicht so lange her, da war wieder viel vom «deutschen Klang» die Rede, der im Zeitalter orchestraler Globalisierung akut gefährdet sei. Gehört zu diesem «deutschen Klang» auch jenes (meist ignorierte) belcantistische Gesangsideal, das Wagner sich für seine Opern wünschte? Und wie passt dazu Schönbergs Erwartung, die Erfindung der Zwölftontechnik werde der deutschen Musik bis auf Weiteres die Vorherrschaft sichern? Steckt in Webers «Freischütz» nicht mehr Rossini als dunkles Waldesrauschen? Kurzum: Was ...
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