Inspiriert
Vor einigen Monaten beklagte Reinhard Goebel, Gründer und langjähriger Leiter des legendären Ensembles Musica Antiqua Köln, eine überbordende Entdeckerwut der Alte-Musik-Szene: Es würden viel zu viele Werke ans Tageslicht befördert, die man lieber im Staub der Archive hätte weiterschlafen lassen sollen. Die Kompositionen, die auf den hier vorzustellenden Alben zum Klingen erweckt werden, dürften allerdings nicht unter dieses strenge Verdikt fallen, im Gegenteil: Hier handelt es sich durchwegs um hörens- und kennenswerte Musik.
Andrea De Carlo engagiert sich gemeinsam mit seinem Ensemble Mare Nostrum in einem «Stradella Project», das sich mit der Kunst eines der bedeutendsten italienischen Komponisten des späten 17. Jahrhunderts auseinandersetzt. Mehrere Oratorien Stradellas haben die Musiker bereits eingespielt, jetzt folgt mit «Santa Pelagia», der Geschichte einer Hure, die zur Heiligen wurde, die Einspielung eines Werks, das bereits in einer vor zehn Jahren veröffentlichten Aufnahme eines anderen Ensembles vorliegt. De Carlo interpretiert die einzige überlieferte Quelle des Oratoriums aber anders als seine Vorgänger und sieht in den dort zu findenden Instrumentalritornellen und ...
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58. Jahrgang, Nr 11
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Andrea Kaiser...
Aus Gérard Corbiaus Film «Farinelli» ist jene Szene in Erinnerung geblieben, in der der Kastraten-Superstar mit seinem komponierenden Bruder Riccardo Broschi wegen dessen allzu schematischer Arien-Produktion hadert. Er setzt sich ans Cembalo, um die melodisch, rhythmisch und harmonisch allzu formelhaften Vehikel zur Demonstration bloßer vokaler Virtuosität samt...
Reichlich leerformelhaft hat Johan Simons seine jetzt zu Ende gegangene Intendanz der Ruhrtriennale 2015-2017 mit dem Motto «Seid umschlungen» als ein «Festival der gemeinsamen Erfahrungen» – regionalen, menschlichen, politischen – reklamiert. Die programmatische Ausrichtung eines «Festivals der Künste» hat er von seinem Vorgänger Heiner Goebbels übernommen, den...
