In Wotans Zuchtstation
Eine Weile war es Mode, Wagners Tetralogie auf vier Regisseure zu verteilen. Das Ideal der stringenten Erzählung eines einzigen Leitungsteams wurde dem Versprechen multipler Perspektiven auf das monumentale Werk geopfert. In Köln liegt der im vergangenen Oktober begonnene «Ring» ganz klassisch in der Hand eines Teams. Doch nach der «Walküre» fragt man sich, wo sich die Zusammenhänge zwischen den ersten beiden Abenden versteckt haben mögen – sie drängen sich weder ästhetisch noch dramaturgisch auf, Ausnahme ist das Kinder-Motiv, das nun, aber makaber, weitergedacht wird.
Im «Rheingold» zeigte Regisseur Paul-Georg Dittrich den Goldschatz als ein Kollektiv von Kindern und deutete den Urzustand als kindliche Unschuld, das Erwachsenwerden als zivilisatorische Verlustgeschichte. Wotan saß mit Flügelhelm vor gemalten Wolkenprospekten in einer Mondsichel und angelte, in Nibelheim hingen dann leblose Kinder in einem Rhönrad vor verdüsterter Szene, Wotan dort im schwarzen Gehrock. In der «Walküre» trägt Wotan im zweiten Akt nun einen scharf getrimmten blonden Kurzhaarschnitt und eine Uniform aus orangefarbenem Satin mit schneidigen Schaftstiefeln. In irritierendem Orange ist auch das ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Regine Müller
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten P = Premiere UA = Uraufführung
Aachen Theater Aachen
www.theateraachen.de
- Obermüller/Gilbert, Malina: 2., 8.
- Bach, Johannes-Passion: 10.
- Tschaikowsky, Eugen Onegin: 17., 25.
- Donizetti, L’elisir d’amore: 24.
Altenburg/Gera Theater Altenburg Gera
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Lauter schwierige Patienten», hieß mal eine Gesprächsreihe im Fernsehen des SWR, in der Marcel Reich-Ranicki gemeinsam mit Peter Voß schwer einsortierbare Autoren behandelte. Erich Kästner gehörte dazu, Inge -borg Bachmann, Golo Mann. Wäre es in dieser Sendereihe um Komponisten gegangen, hätte César Franck wohl einen festen Platz gehabt: ein Mann, der nahezu...
Leicht müsse man sein, «mit leichtem Herzen und leichten Händen, halten und nehmen, halten und lassen …», singt die Feldmarschallin im ersten Aufzug des «Rosenkavaliers». Auch in der Heidelberger Inszenierung von Andrea Schwalbach ist Leichtigkeit das Schlüsselwort. Als «Komödie für Musik» haben der Komponist und sein Textdichter Hugo von Hofmannsthal das Stück...
