Die Erotik des Palmwedels
Das Kino hat die Oper beerbt. So zumindest sieht es der Regisseur Davide Livermore, der aus musikgestützten Bühnenwerken gern opulente Bühnen-Filme im Breitwandformat macht. Folgerichtig verwandelt sich Händels «Giulio Cesare» in einen Thriller à la «Tod auf dem Nil». Tolomeo ist monarchischer Eigner eines gleichnamigen Luxusdampfers aus den 1920er-Jahren, sprich: inmitten der Stummfilmära.
Auch eine Leiche gibt es zu Beginn: Pompeo sitzt mit verbundener, blutdurchtränkter Kopfschusswunde an Deck.
Cesare tritt als Kapitän in Erscheinung und will den Dampfer ins ägyptische Friedensglück schippern, wäre da nicht die Rivalität zwischen dem Geschwisterpaar Cleopatra und Tolomeo. Letzterer ist die Witzfigur eines orientalischen Despoten, seine Schwester eine Sexbombe im Bette-Davis-Style. Im Bühnenhintergrund läuft ein animiertes Videogewitter ab, mit turmhohem Wellengang, vorbeiziehenden Ruinen, Pyramiden und der Sphinx. Wird der Konflikt elementar, greifen Jagdgeschwader an und explodieren Bomben. Auf dem Höhepunkt dieses Opernfilms strandet der Dampfer in der Wüste, von Zeit zu Zeit läuft eine Peter Ustinov-Figur über die Bühne. Ganz am Ende des Abends klärt sie als detektivisches ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Bernd Künzig
Der Ritter rast nicht, er schwelgt. In höchsten Tönen und mit tiefster Empfindung besingt Ruggero die Liebe zu seiner Auserwählten, der gleichermaßen aparten wie blaublütigen Bradamante, und um seine werbende Huldigung zu zementieren, hat er sich für sein Solo «Sol per te, mio dolce amore» noch eine transzendierende Traversflöte hinzu erbeten. Zarte Arabesken in...
Als der Würfel gefallen war, hatte er keine Wahl mehr. Alle Türen zu, keine Optionen, nirgends. Und wer weiß, ob nicht Markus Hinterhäuser in diesem Moment, als ihm klar wurde, dass er nicht länger Intendant der Salzburger Festspiele bleiben würde, Wotans Satz in den Sinn gelangte: «Nur eines noch will ich – das Ende.» Andere wiederum, die dem gestürzten König von...
Das war zu erwarten: Trump und Musk als Opernbösewichte, ihre Machenschaften als Parabeln für Machtmissbrauch und Verführung der Massen. Bei Aristophanes heißen sie Peis -thetairos und Euelpides, Braunfels hat sie philologisch korrekt in Ratefreund und Hoffegut umbenannt, aber sonst wenig Ehrfurcht gezeigt, indem er 1920 die zweieinhalb Jahrtausende alte Komödie in...
