In tiefbewegter Brust
In seinem Opernführer stellt Ulrich Schreiber das Kapitel über Franz Schubert unter den Titel «Die romantische Nicht-Oper». Trotz ambitionierter Versuche von Dirigenten wie Claudio Abbado und Nikolaus Harnoncourt haben Werke wie «Alfonso und Estrella» oder «Fierrabras» keinen festen Platz im Repertoire gefunden.
Und wer – Hand aufs Herz! – wüsste auf Anhieb den Titel auch nur einer einzigen Arie zu nennen, die von Schuberts Nicht-Helden gesungen wird? Umso erfreulicher, dass Daniel Behle Figuren auf die Klangbühne zu holen gewagt hat, die im tiefen Schacht ihrer Gefühle leben, nach der Maxime aus dem Zauberspiel «Die Zauberharfe»: «Was belebt die schöne Welt? Liebe nur verschafft ihr Leben.» In seinen Arien hat Schubert, wie Franz Liszt 20 Jahre nach dessen Tod bemerkte, «das Deklamatorische zu einer bisher im Liede nicht für möglich gehaltenen Energie und Kraft gesteigert».
Das für Schuberts Opern charakteristische Defizit an dramatischen Konflikten – bedingt durch die Zwänge der Metternich’schen Restauration – wird kompensiert durch die musikpoetische Verklärung heftiger oder inniger Empfindungen. Dies wird von Behle gesangspoetisch auf eindringliche Weise gelöst. In der Arie ...
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