Heimatlos: Britta Stallmeister (Stückeschreiberin), Ensemble; Foto: Karl & Monika Forster
Flüchtlingsoratorium
Mit einem Kompositionsauftrag an den dänisch-deutschen Komponisten Søren Nils Eichberg und die Librettistin Therese Schmidt gelang der Wiesbadener Oper und ihrem Intendanten Uwe Eric Laufenberg ein bemerkenswerter Theaterabend. Der Titel «Schönerland» erinnert natürlich an das populär-sentimentale deutsche Lied «Kein schöner Land in dieser Zeit», das hier gegen Schluss des 95-minütigen Werks als ironisch-utopische, musikalisch angeschrägte Reverenz aufklingt.
«Schönerland» ist denn auch die Metapher für einen Sehnsuchts- und Hoffnungsort im Bewusstsein all der Unbehausten und Entwurzelten, die sich unter Entbehrungen und Lebensgefahr aufmachen, um einen den elementaren Menschenbedürfnissen gerechten Lebensraum zu finden.
In dem klugen Text von Therese Schmidt oszilliert «Schönerland» auch zwischen der Erinnerung an verlorene Heimat (ihre Düfte, der Geschmack ihrer Früchte und Gewürze) und der bang abgedunkelten Erwartung neuer, unbekannter Ankunftsländer. Der Reiz dieser Oper besteht nicht zuletzt in ihrer Formgestalt als gleichsam neo-expressionistisches Oratorium, in das rudimentäre Handlungssegmente eingewoben werden – kurze Erzählungen der Menschen unterwegs, die dramatischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sie wollen ihn ganz alleine, ohne den notorisch davorgeklemmten Namen seines Librettisten William Schwenck Gilbert: Die Mitglieder der 2009 gegründeten Deutschen Sullivan-Gesellschaft sind davon überzeugt, dass es sich lohnt, Sir Arthur nicht nur als Teil eines der berühmtesten Duos der Operngeschichte zu betrachten, sondern als umfassend kompetenten Komponisten,...
In Theaterkategorien gedacht, sind 33 Jahre eine schier unendliche Zeit. Exakt so lange leitete Werner Seitzer den Opernbetrieb am Theater für Niedersachsen in Hildesheim; das Publikum lockte er vor allem mit traditionellen Inszenierungen in ein Haus, das viele Gastspiele an anderen Orten bestreitet. Keine leichte Aufgabe für den Nachfolger, der seine erste...
Die Dramaturgie der Macht, die sich Markus Hinterhäuser für den Neustart der Salzburger Festspiele ausgedacht hat, lebt von einem Doppelsinn. Was als Strategie des Programms vielleicht doch etwas unverbindlich daherkommt, fesselt im Detail der ausgewählten Stücke umso mehr. Denn selbstverständlich folgt die Macht ihrer eigenen Dramaturgie. Für das, was Macht mit...
