In Schönheit sterben
Die Frage stellt sich immer wieder: Kann man Händels Oratorien als Musiktheater behandeln? Oder sind sie doch auf der Konzertbühne besser aufgehoben? Dass seine späten Werke – und dazu gehört «Theodora» – bühnentauglich sind, bewies Peter Sellars 1996 in Glyndebourne auf unvergessliche Weise. Die biblische Erzählung wurde bei ihm zum allgemeingültigen Drama. Dawn Upshaw, David Daniels und Richard Croft, auch Lorraine Hunt, wuchsen über sich hinaus. Auch damals dirigierte William Christie. Alle fanden gemeinsam zu einer atemraubenden Intensität.
Sellars’ Interpretation setzt bis heute Maßstäbe. Hohe Maßstäbe. Stephen Langridges Version am Théâtre des Champs-Elysées ist ihnen nicht gewachsen. Das Problem dieser Neuproduktion: Eine Deutung bietet sie eigentlich gar nicht an. Der englische Regisseur (zur Zeit Chef der Göteborger Oper) beweist guten Geschmack und viel Feingefühl, arrangiert das Geschehen ästhetisch ansprechend. Als die Christen erschossen werden, sieht sogar der Blutfleck an der Wand noch gut aus. Kalt über den Rücken läuft es einem nicht. Der Aufführung fehlen Fleisch und Leben, Ecken und Kanten – alles, was für dramatische Spannung sorgen würde, auch: für ein ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Christian Merlin
Jeder macht sich sein Bild von Wagner. Aber welche Bilder haben wir eigentlich von ihm? Gunther Braam, im Hauptberuf Gymnasiallehrer in München, im Nebenberuf ein leidenschaftlicher Berlioz-Forscher, Ikonografie-Kenner und Herausgeber von Noteneditionen, hat sämtliche 68 von Wagner erhaltenen Fotografien zusammengetragen und in chronologischer Reihenfolge...
Er ist in vielem fragwürdig, zugleich aber hintergründig faszinierend, dieser «Hoffmann» aus Madrid (siehe OW 7/2014). Musikalisch fällt das Arrangement des Quellenmaterials durch Sylvain Cambreling mit den nachkomponierten Rezitativen Ernest Guirauds noch hinter die überholte Oeser-Fassung zurück. Szenisch lässt Christoph Marthaler in der Schwebe, ob Hoffmann...
Sternstunden modernen Bauens bieten sich in Tschechien eher selten. Immerhin lässt sich die «hybride» Gestalt des Antonín Dvorák Theaters in der ostmährischen Industriestadt Ostrava goutieren: Das sanft-unaufdringlich vom stalinistischen Klassizismus markierte Hauptgebäude streckt seine Schaufront der Stadt zu, während die neuen Anbauten sich bescheiden rückwärts...
