In Kirilows Welt

Mozart: Don Giovanni
Gelsenkirchen | Musiktheater im Revier

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Also gut, spielen wir das Spiel vom Tod. Spielen wir es sowohl für ihn als auch mit ihm, zynisch vernünftig, sardonisch lachend, genüsslich, und packen alles hinein, was dazugehört: Blut, Nervenkitzel, russisches Roulette, Scheinhinrichtung, Totenmaske, makabre Scherze. Spielen wir es ohne Demut vor jedweder Moral und vor dem Leben (ihr wisst doch alle, was Dostojewskis Kirilow gesagt hat: Die einzige Freiheit liegt im Selbstmord!), mit einem Hauch von nekrophilem Sexappeal.

Und vor allem: Spielen wir es zu dieser unglaublich abgefahrenen Musik von Mozart!

So in etwa könnte die ideelle Verabredung gelautet haben, die Regisseur Ben Baur mit sich und seinem Team getroffen hat für diesen Abend. «Don Giovanni» als Dokument des Nihilismus aus dem Geiste des Existenzialismus, als Beweis dafür, dass der feineren Gesellschaft vor lauter Langeweile nur noch Extremistisches gefällt. Schade nur, dass einer eine Halbzeit lang nicht mitspielt: GMD Rasmus Baumann hat seinem Orchester, der Neuen Philharmonie Westfalen, anscheinend Schlafmittel verabreicht. Bis zum ersten Finale holpert und stolpert und schleppt die Musik hinterher, schematisch-schwerfällig, mit falschen Betonungen, ohne Esprit, ...

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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Jürgen Otten

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