In der Blase
Die Ruhrtriennale führt ihr Programm inzwischen unter verwirrend vielen Rubriken. In der Kategorie «Musiktheater» finden sich in diesem Jahrgang nur zwei Produktionen. Erweitert man den Suchradius auf «multidisziplinär», sind es mit «Ich geh unter lauter Schatten», «Haus» und «Euphoria» immerhin drei. Um Musiktheater aber handelt es sich dabei nur im weitesten Sinne.
Das Festival wollte immer «multidisziplinär» sein und war es auch.
Das gleich zu Beginn etablierte Format «Kreation» bescherte gerade in den ersten aufsehenerregenden Jahren Genreübergreifendes, aber stets gab es auch veritable Opern, die mit viel Aufwand in die Hallen gewuchtet wurden und dort eine ganz eigene Dynamik entwickelten. Unvergesslich etwa David Pountneys Lesart von Zimmermanns «Soldaten», Willy Deckers planetarische «Tristan»-Arbeit oder auch Heiner Goebbels’ Sicht auf «De Materie» von Louis Andriessen – alles hochambitionierte Inszenierungen anspruchsvoller Werke, die aber als sinnliche Erfahrung immer auch eine deutliche Breitenwirkung auslösten. Die «Musiktheater»-Produktionen 2022 hingegen (die man bestenfalls Performances nennen kann) wirken so, als hätten sie sich vom Berliner Nerd-Festival ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 29
von Regine Müller
Dame Felicity Lott und der Pianist Sebastian Wybrew waren die Tutoren der Liedkurse, die die Académie Orsay-Royaumont im Winter 2021/22 in der ehemaligen Abtei Royaumont abhielt. Wie in den Jahren zuvor sind auch diesmal wieder Aufnahmen mit den vier prämierten Liedduos aus den beiden Schlusskonzerten beim kleinen, aber feinen französischen Label b-records...
Die Vision der Liebe, der Verständigung und des Verzeihens, die Goethes «Faust II» im himmlischen Chorus Mysticus krönt, beschreibt ein derart allumfassendes Prinzip des (die Titelfigur wie die ganze Welt) erlösenden Ewig-Weiblichen, dass die Bebilderung auf der Bühne sie wohl nur im Kitsch oder der Überzeichnung brechen kann. Ob Arrigo Boito das schon wusste?...
Ein «Sorgenkind» war «Fidelio» nicht nur für den Komponisten selbst. Auch die Nachwelt, vor allem die inszenierende, hat sich an diesem Stück die Zähne ausgebissen, insbesondere an der schier unauflösbaren Dichotomie aus (heiter-hellem) Singspiel und (dämonisch-dunklem) Drama. Zu wenig bewältigt schien die formale Frage, zu groß der Unterschied der «Strömungen», um...
