Auf Augenhöhe

Boito: Mefistofele HANNOVER | STAATSOPER

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Die Vision der Liebe, der Verständigung und des Verzeihens, die Goethes «Faust II» im himmlischen Chorus Mysticus krönt, beschreibt ein derart allumfassendes Prinzip des (die Titelfigur wie die ganze Welt) erlösenden Ewig-Weiblichen, dass die Bebilderung auf der Bühne sie wohl nur im Kitsch oder der Überzeichnung brechen kann.

Ob Arrigo Boito das schon wusste? Angst vor dem Grandiosen, überhaupt einen falschen Respekt vor der Weltliteratur kannte der Italiener jedenfalls nicht – das zeigte er bereits als Verdis (bedeutendster) Librettist, als er die Textbücher zu dessen Alterswerken «Falstaff» und «Otello» schuf und dabei, ausgehend vom Shakespeare-Englisch, mühelos in seiner italienischen Muttersprache landete. Und das demonstrierte Boito auch als germanophiler Dichter des Südens, der ebenso seinen Goethe im Original las, verblüffend gut kapierte – um schließlich in Personalunion als Dichter und Komponist ein kühnes Amalgam des gesamten «Faust» zu schaffen – Prolog und Epilog im Himmel inklusive, sowie mit jenem leitmotivisch wiederkehrenden Chor-Crescendo «Ave Signor», das mit seiner Monumentalität in der Operngeschichte fast beispiellos ist. 

Elisabeth Stöppler offenbarte nun ...

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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Peter Krause

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