Auf Augenhöhe
Die Vision der Liebe, der Verständigung und des Verzeihens, die Goethes «Faust II» im himmlischen Chorus Mysticus krönt, beschreibt ein derart allumfassendes Prinzip des (die Titelfigur wie die ganze Welt) erlösenden Ewig-Weiblichen, dass die Bebilderung auf der Bühne sie wohl nur im Kitsch oder der Überzeichnung brechen kann.
Ob Arrigo Boito das schon wusste? Angst vor dem Grandiosen, überhaupt einen falschen Respekt vor der Weltliteratur kannte der Italiener jedenfalls nicht – das zeigte er bereits als Verdis (bedeutendster) Librettist, als er die Textbücher zu dessen Alterswerken «Falstaff» und «Otello» schuf und dabei, ausgehend vom Shakespeare-Englisch, mühelos in seiner italienischen Muttersprache landete. Und das demonstrierte Boito auch als germanophiler Dichter des Südens, der ebenso seinen Goethe im Original las, verblüffend gut kapierte – um schließlich in Personalunion als Dichter und Komponist ein kühnes Amalgam des gesamten «Faust» zu schaffen – Prolog und Epilog im Himmel inklusive, sowie mit jenem leitmotivisch wiederkehrenden Chor-Crescendo «Ave Signor», das mit seiner Monumentalität in der Operngeschichte fast beispiellos ist.
Elisabeth Stöppler offenbarte nun ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Peter Krause
JUBILARE
Astrid Schirmer wurde am 8. November 1942 in Berlin geboren. Sie blieb zunächst ihrer Heimatstadt treu und studierte Gesang bei Elisabeth Grümmer. Bereits als junger Mensch sang sie Partien des jugendlich-dramatisches Faches (beispielsweise Leonore und Sieglinde); Engagements an den Häusern in Wien und Lyon folgten. In Patrice Chéreaus Bayreuther...
Erich Wolfgang Korngolds Oper «Die tote Stadt» gehört zu den Werken, deren Rezeptionsverlauf von den Einschlägen der Zeitgeschichte schwer getroffen wurde. Als Korngold das Werk im Alter von 23 Jahren schrieb, war er ein erwachsengewordenes Wunderkind, das imstande gewesen wäre, sich dauerhaft mit Richard Strauss und Giacomo Puccini zu messen, hätten ihn nicht die...
Meist sitzt sie im Dunkel. Unbemerkt, fast möchte man meinen: unscheinbar. Aber gerade darin liegt ihre große Stärke: Dass sie sich zurückzieht auf die Position der Beobachterin, deren einziges Interesse es ist, die Blicke der anderen einzufangen, und dass sie imstande ist, diesen einen, flüchtig-konzentrierten Moment festzuhalten, in dem diese Blicke fokussiert...
