In den Dunkelgründen der Nacht
Zur Signatur des Ende dieser Spielzeit scheidenden Dramaturgen-Intendanten Peter de Caluwe gehören die Pasticcios, lässig alle Werkgrenzen überschreitenden Mash Ups, die gängiges Repertoire als Material verstehen, das auf dem Weg der Dekonstruktion neu ausgeleuchtet wird. Mit einer «Trilogia Mozart Da Ponte» begann es vor fünf Jahren, es folgten der Donizetti-Doppelabend «Bastarda» und zuletzt «Rivoluzione e Nostalgia», eine zumindest musikalisch frappierende Entdeckung von Verdis selten gespielten frühen Opern.
Mit Monteverdis Triple soll es nun enden, ausdrücklich als Pendant zum gerade abgeschlossenen Brüsseler «Ring». Der Dramaturg denkt in Zyklen und Zusammenhängen, die großen Menschheitsfragen fest im Blick, und natürlich das Genre selbst im Spiegel seiner wirksamsten Revolutionäre.
Man könne es natürlich ebensogut wie eine Netflix-Saga anschauen, meint Rafael R. Villalobos, Regisseur, De- und Rekonstrukteur des Diptychons, der aus «L’Orfeo», «Il ritorno d’Ulisse in patria» und «L’ incoronazione di Poppea» ein «neues Drama» konzipiert hat. Es heißt «I Grotteschi», inspiriert von den Wandmalereien in Neros römischem Domus Aurea: kühn zusammengesetzte Mischwesen. Das passt zu ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Holger Noltze
Und als ich wiederkam, da – kam ich nicht wieder.» Dies Bekenntnis des Romanciers Alfred Döblin aus dem Jahr 1946 fasst das Schicksal der von den Nazis 1933 ins Exil vertriebenen oder in die innere Emigration gezwungenen Juden und ihrer verfemten Werke in einem einzigen Satz zusammen. Er gilt auch für den bereits 1934 an gebrochenem Herzen gestorbenen Komponisten...
In der Vorstellungskraft dieses Mannes scheint nichts unmöglich: Ein Haus errichten und eine Familie gründen will Peer Gynt mit einer Braut, die er eben von der Hochzeit weggestohlen hat (als sie sich ihm nicht willig zeigt, wandelt sich Zuneigung innerhalb eines Wimpernschlags in Hass, die Begehrte wird als «Hure» abgestoßen, als wäre zuvor nichts geschehen)....
Aus männlicher Perspektive mögen jene Verse, die Adelbert Chamisso im zweiten Gedicht seines Zyklus’ «Frauenliebe und -leben» der imaginären Liebenden in den Mund legte, durchaus der Wahrheit entsprechen: «Er, der Herrlichste von Allen, / Wie so milde, wie so gut!». Schön wär’s – denn damit zeichnet der romantische Dichter ein nicht nur verklärendes, sondern zudem...
