In den Dunkelgründen der Nacht
Zur Signatur des Ende dieser Spielzeit scheidenden Dramaturgen-Intendanten Peter de Caluwe gehören die Pasticcios, lässig alle Werkgrenzen überschreitenden Mash Ups, die gängiges Repertoire als Material verstehen, das auf dem Weg der Dekonstruktion neu ausgeleuchtet wird. Mit einer «Trilogia Mozart Da Ponte» begann es vor fünf Jahren, es folgten der Donizetti-Doppelabend «Bastarda» und zuletzt «Rivoluzione e Nostalgia», eine zumindest musikalisch frappierende Entdeckung von Verdis selten gespielten frühen Opern.
Mit Monteverdis Triple soll es nun enden, ausdrücklich als Pendant zum gerade abgeschlossenen Brüsseler «Ring». Der Dramaturg denkt in Zyklen und Zusammenhängen, die großen Menschheitsfragen fest im Blick, und natürlich das Genre selbst im Spiegel seiner wirksamsten Revolutionäre.
Man könne es natürlich ebensogut wie eine Netflix-Saga anschauen, meint Rafael R. Villalobos, Regisseur, De- und Rekonstrukteur des Diptychons, der aus «L’Orfeo», «Il ritorno d’Ulisse in patria» und «L’ incoronazione di Poppea» ein «neues Drama» konzipiert hat. Es heißt «I Grotteschi», inspiriert von den Wandmalereien in Neros römischem Domus Aurea: kühn zusammengesetzte Mischwesen. Das passt zu ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Holger Noltze
Judith Weir korrigiert in ihrer 2011 als Koproduktion der Bregenzer Festspiele und der Royal Opera Covent Garden uraufgeführten Oper «Miss Fortune» eine trügerische Märchenbotschaft: Gutsein und Können allein reichen nicht, wenn das Leben gelingen soll. Die britische Hofkomponistin vertonte ein sizilianisches Märchen aus der Sammlung von Giuseppe Pitrè, das Werk...
Die Machos können beruhigt sein. Männer am Herd, Frauen an der Macht, dies sogar mit einer Generalin an der Spitze, so etwas bleibt beschränkt auf eine Enklave im Ozean. Zumindest in jener «verdrehten Welt», die Antonio Salieri auf ein Libretto von Caterino Tommaso Mazzolà imaginierte. «Il mondo alla rove -scia» heißt der Zweieinhalbstünder im Original und...
Das Genie des Leidens sitzt vorne rechts, am äußersten Rand der Bühne, an einem viel zu kleinen Schreibtisch. Oder besser: Ein Teil von ihm sitzt dort, umgeben von Büchern, Notizheften, einem rotleuchtenden Blümlein, einer Flasche Wein und anderen nützlichen oder weniger nützlichen Utensilien. Harry Haller, «ein Mann von annähernd fünfzig Jahren», wie sein Schöpfer...
