Improvisationskünstler
Der weinrote Teppich liegt noch im Foyer, doch die Bauarbeiten haben ihre Spuren hinterlassen. Im Boden klafft ein Loch, darin Zigarettenstummel, geleerte Bierflaschen reihen sich in einem Regal aneinander. Durch Bohrlöcher brach Putz aus der Decke , es ist kühl und feucht. Seit mehr als zwei Jahren findet keine Veranstaltung mehr statt im Großen Haus des Theaters Rudolstadt. Auf der dunklen Bühne des 260-Plätze-Baus surrt ein Luftentfeuchter vor sich hin.
Ursprünglich sollten sich die Sanierungsarbeiten mittlerweile dem Ende entgegenneigen.
Stattdessen rechnen die Verantwortlichen mit zwei Jahren Verzögerung. Das eigentliche Bauprojekt hat noch nicht einmal begonnen. Der Zuschauerbereich bekommt einen gläsernen Umfassungsbau. Die neue Mauer soll tief in die Erde reichen – um das Wasser der Saale abzuhalten, die hinter dem Theater im begradigten Bett verläuft. Während des Hochwassers 2013 bahnte sich der Fluss seinen alten Weg und drückte von unten ins Gebäude. Im Keller stand das Wasser bis zu 30 Zentimeter hoch. Im Notenlager ließ der Schimmel nicht lange auf sich warten.
Glück im Unglück: Bund und Länder setzten einen Hilfsfonds gegen Hochwasserschäden auf. «Da haben wir ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Volker Hagedorn ist ein Musikkritiker, der ungemein plastisch erzählen kann. Und wenn er ein Buch schreibt, so wie jetzt über die französische Hauptstadt in den Jahren 1821 und 1867, dann ist ihm daran gelegen, die Unmittelbarkeit, die seine Zeitungsartikel ausstrahlen, auch auf die kulturwissenschaftliche Publikation zu übertragen. Und tatsächlich gelingt ihm das...
Die beiden Züge rasen nicht aufeinander zu, sie stehen still. Führerstände einander zugekehrt, dummerweise auf demselben Gleis. Die Lokführer bleiben stur, Verhandlungen sollen nun klären, wer zurück in den nächstliegenden Bahnhof muss. «Im stillen Kämmerlein» sollen diese Gespräche geführt werden, so die Sprachregelung der Salzburger Osterfestspiele. Und so...
Zwar regnet es selten in dieser südlichen Gegend, dennoch rosten Orlandos Tage. Und mögen die anderen sich auch ständig Zigaretten anstecken: Die Kippen würden ihm in seiner Depression bloß nach komprimiertem Novembernebel schmecken. Doch Rauchen ist eigentlich gar nicht erlaubt in Christian Schmidts Wohn-Drehbühne mit ihrem Plattenbau-Charme. «PROHIBIDO FUMAR»...
