Symphonie Fantastique
Volker Hagedorn ist ein Musikkritiker, der ungemein plastisch erzählen kann. Und wenn er ein Buch schreibt, so wie jetzt über die französische Hauptstadt in den Jahren 1821 und 1867, dann ist ihm daran gelegen, die Unmittelbarkeit, die seine Zeitungsartikel ausstrahlen, auch auf die kulturwissenschaftliche Publikation zu übertragen. Und tatsächlich gelingt ihm das Kunststück, den Leser in eben jenen Gefühlstaumel zu versetzen, in dem sich auch die Pariser vor gut 150 Jahren befanden: Eine gewaltige Flut von Eindrücken prasselt hier unablässig auf das Individuum ein.
Für die Bewohner der Seine-Metropole waren die vor allem mit der Beschleunigung des täglichen Lebens verbunden, mit der Eisenbahn und der Telegrafie, mit dem Gaslicht, der (Ballon-)Luftfahrt und der Fotografie. Und dann war da natürlich noch das Bauprogramm des Stadtpräfekten, Baron Georges-Eugène Haussmann, der ganze Viertel niederreißen ließ, um neue Prachtboulevards anzulegen – und der damit eine brutale Immobilienspekulation auslöste.
Für den Leser von heute stellen sich die Schwindelgefühle dadurch ein, dass Hagedorn nicht nur Musikhistorie beschreibt, sondern Menschheitsgeschichte: Politik, gesellschaftliche ...
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