Impeto ardente
Im ersten Akt tauschen die Anführer am Strand von Mexiko Geschenke. Der Mexikaner Telasco bringt Gold, Blumen und reizende Frauen, Cortez antwortet mit einem Degen. Das also sind die Geschenke Europas – vielleicht werden die Spanier sie eines Tages in unseren Händen wiederfinden, ist Telascos bestürzte und zugleich stolze Antwort. Als Gaspare Spontinis «Fernand Cortez ou La conquête du Mexique» im November 1809 in Paris uraufgeführt wurde, war Napoleons Spanienfeldzug schon fast zwei Jahre mit wechselndem Erfolg im Gange.
Noch einmal, nach der monströsen Ausstattungsoper «Le triomphe de Trajan» (1807), sollte ein aufgeklärter Anführer oder Herrscher vorgeführt werden, der religiösen Fanatismus besiegt, Ordnung und Licht in eine barbarische, gewaltbereite Welt bringt. Deshalb wird der grausame aztekische Oberpriester, der die Überläuferin und Cortez-Geliebte Amazily um jeden Preis opfern will, zum Gegenspieler. Der Herrscher Montezuma, als ausgleichende Figur zwischen den Kulturen vorgesehen, tritt gar nicht auf. Die napoleonische Propagandamaschinerie zog den strikten Schwarzweiß-Kontrast vor. Das Werk wurde nach 24 Aufführungen 1812 abgesetzt. In einer zweiten, Montezuma wieder ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Klaus Heinrich Kohrs
Eine Sache müsse er jetzt noch sagen. Nicht um Musikalisches ging es in diesen Minuten, um das Programm mit Strauss und Brahms, sondern um so viel mehr. Dankbar sei er dafür, sprach Mariss Jansons, wie sehr er mit den Musikern zusammenwachsen durfte, wie man zu einer Familie geworden sei. Die jetzt – und das sagte er nicht, weil es mitschwang in diesen Worten –...
Vom Sommer 1787 bis zum Frühjahr des Folgejahres weilte Johann Wolfgang Goethe in Rom ‒ im «stillen Gedanken an ein allmähliches Loslösen» von der engen Weimarer Heimat und darauf bedacht, durch die Begegnung mit der Antike neue Inspiration für sein stockendes Schaffen zu bekommen. Dennoch war der Dichter keineswegs allein, sondern umgeben von Kunstfreunden, zu...
Auf einen solchen Titel muss man erst mal kommen: «Wenn Papageno für Elise einen Feuervogel fängt». Er charakterisiert nicht nur die Fantasie und Freude, mit der MARTIN GECK seine «Kleine Geschichte der Musik» (2006) geschrieben hat, ein blitzgescheites, wunderbar subjektives, auf 200 Seiten verdichtetes Kompendium «von der Urgesellschaft bis zum Hip-Hop», sondern...
