Dunkler Sog
Die «Walküre» wartet mit den Kulissen auf, die wir schon aus dem «Rheingold» kennen (siehe OW 1/2019). Allerdings wurden etliche der Pressspantafeln aus den hohen Wänden gebrochen und liegen trümmergleich am Boden. An Göteborgs Opernhaus ist die Zersetzung von Alison Chittys Einheitsbühne, die in «Siegfried» und «Götterdämmerung» fortgeschrieben werden soll, längst im Gange. Zum Abschluss hintereinanderweg aufführen wird man die Teile dieses ersten «Rings» am Ufer des Göta älv nicht: Das Skelett des einen gibt es im nächsten schon nicht mehr.
Stattdessen wird der gesamte, so «grün» wie möglich produzierte Wagner-Zyklus per 360-Grad-Technik dokumentiert. Zur Auffrischung kann man sich im Foyer einen Neun-Minuten-Schnitt des «Rheingold» anschauen, per VR-Brille, mit körniger Auflösung, aber vollem Raumgefühl.
Auf der Drehbühne kreisen zum Vorspiel langsam Schwangerschaftsbäuche vorbei, stößt Wotan das Schwert in die Weltesche. Das Wälsungen-Zwillingspaar tritt im Kindsalter auf und wird getrennt, ehe schließlich der erwachsene Siegmund in Hundings sparsam möblierter Ikea-Hütte taumelt. Der scheidende Künstlerische Leiter des Hauses, Stephen Langridge, lädt dem Stück nichts auf, ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Wiebke Roloff Halsey
Dass in dem Wort Qualle die Qual enthalten ist, wäre eine kalauernde Erklärung, warum während des Finales im dritten «Figaro-Akt eine gewaltige Medusa mit Tentakeln sich wie ein fahler Mond am Horizont erhebt. Klar, eine Metapher, trotzdem unschön anzusehen, wie die seelische Qual, die sich hier das Hauptpersonal gegenseitig bereitet. Für Programmheftleser...
Während Händel- und Vivaldi-Recitals boomen, hat die noch immer unterschätzte französische Barockoper auch hier das Nachsehen. Ihr theatrales Gesamtkunstwerk aus Aktion, Gesang und Tanz eignet sich weniger zur vokalen Selbstdarstellung als die italienische Seria mit ihren virtuosen Abgangsarien, und für den gegenwärtige Counter-Hype liefert sie kein Stimmfutter....
Die Bühne dreht sich – wie jene Schraube, die im Titel rotiert. Mit jeder Windung, jedem «Turn of the Screw» erhöhen sich in Benjamin Brittens Kammeroper Druck und Beklemmung. Für die Akteure wie für die Zuschauer. Regisseur Peter Carp und Bühnenbildner Kaspar Zwimpfer entwickeln über rund zwei Stunden im Großen Haus des Theaters Freiburg einen Spannungsbogen wie...
