Immer diese Kronleuchter
Das ist ein mutiges Unterfangen für ein mittelgroßes Theater. Ulm hat es gewagt und Donizettis Tudor-Trilogie innerhalb von drei Spielzeiten auf die Bühne gebracht. Anthony Pilavachi sollte nicht nur «Anna Bolena» zum Auftakt 2024 inszenieren, sondern ursprünglich alle Königinnen-Dramen. Aus Dispositionsgründen waren nun drei verschiedene szenische Handschriften zu erleben.
Die Lesart der Regisseurin Annette Wolf erweist sich zum Abschluss mit der Tragedia lirica «Roberto Devereux» nicht eben als die alleroriginellste.
Immerhin steht sie dem unbefangenen Zuschauer nicht mit irgendwelchen Konzepten im Wege, die Eifersuchtsgeschichte umstandslos zu verstehen. Roberto, der Ex-Lover der englischen Königin Elisabeth I., liebt die Frau seines besten Freundes, des Herzogs von Nottingham, der zwar irgendwie ahnt, dass bei seiner Sara was nicht stimmt – aber als er die Zusammenhänge durchschaut, bringt er den best buddy aufs Schafott, worüber die Queen, durchaus bereit zu verzeihen, den Verstand verliert. Das ließe sich eleganter umsetzen. Und geschmackssicherer. Wenn die Königin Devereux fragt, ob er sie noch liebe und er – mal nicht feige, wie Männer gern sind – schlicht «Nein» sagt, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Götz Thieme
In Österreich dreht sich der Wind und pfeift der Hochkultur hart ins Gesicht. Das bisher herrschende Einverständnis über die Unantastbarkeit traditionsreicher Institutionen scheint außer Kraft gesetzt. Man bemerkt das veränderte Klima aktuell am forschen Umgang mit dem Intendanten der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, und man spürt es erdrutschartig in...
Oft sind es Standardsätze. Stereotype, die aufrichtig gemeint sein mögen, aber irgendwie doch nach Pflichterfüllung klingen. An seinem Todesdatum, es war der 17. Februar, und noch Tage danach schien es allerdings, als halte die Opernwelt den Atem an, nachzulesen nicht zuletzt auf Social Media. «He never left my heart», postete etwa Nathalie Stutzmann. «A giant of...
Ergeben reißt ein schmalschultriger, lockenköpfiger Junge die Arme nach oben – und fällt in die Tiefe. Ist er gestolpert? Hat er sich absichtlich hinunter in den Tod gestürzt? Oder ist er vor Erschöpfung schlicht zusammengebrochen? Und was hat sein Lehrmeister, der Fischer Peter Grimes, damit zu tun, der von den Dorfbewohnern argwöhnisch beäugt wird und in dessen...
