Immer diese Kronleuchter
Das ist ein mutiges Unterfangen für ein mittelgroßes Theater. Ulm hat es gewagt und Donizettis Tudor-Trilogie innerhalb von drei Spielzeiten auf die Bühne gebracht. Anthony Pilavachi sollte nicht nur «Anna Bolena» zum Auftakt 2024 inszenieren, sondern ursprünglich alle Königinnen-Dramen. Aus Dispositionsgründen waren nun drei verschiedene szenische Handschriften zu erleben.
Die Lesart der Regisseurin Annette Wolf erweist sich zum Abschluss mit der Tragedia lirica «Roberto Devereux» nicht eben als die alleroriginellste.
Immerhin steht sie dem unbefangenen Zuschauer nicht mit irgendwelchen Konzepten im Wege, die Eifersuchtsgeschichte umstandslos zu verstehen. Roberto, der Ex-Lover der englischen Königin Elisabeth I., liebt die Frau seines besten Freundes, des Herzogs von Nottingham, der zwar irgendwie ahnt, dass bei seiner Sara was nicht stimmt – aber als er die Zusammenhänge durchschaut, bringt er den best buddy aufs Schafott, worüber die Queen, durchaus bereit zu verzeihen, den Verstand verliert. Das ließe sich eleganter umsetzen. Und geschmackssicherer. Wenn die Königin Devereux fragt, ob er sie noch liebe und er – mal nicht feige, wie Männer gern sind – schlicht «Nein» sagt, ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Götz Thieme
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