Imaginäre Bühne

Hector Berlioz’ «La Damnation de Faust» in Neuaufnahmen unter John Nelson und François-Xavier Roth

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«Toujours à l’improviste» – immer aus dem Augenblick heraus: So seien ihm die einzelnen Szenen von «La Damnation de Faust» während einer Konzertreise durchs alte Europa erschienen. «Ich suchte nicht nach Ideen, ich ließ sie zu mir kommen, und sie stellten sich ein, in völlig unerwarteter Reihenfolge.» Erst in einem letzten Arbeitsschritt habe er das Heterogene zu einem Ganzen gefügt, so berichtet Hector Berlioz später in seinen «Mémoires».

Die Metapher der Reise, die voller Überraschungen ist, wird zum Gegenmodell einer nach den Regeln der Kunst funktionierenden Operndramaturgie. Dass Berlioz, dem die Pariser Opéra so gut wie verschlossen blieb, mit konzertanten «Mischgattungen» wie «Roméo et Juliette» und «La Damnation» nolens volens Notlösungen produziert habe, ist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich etabliert er mit seinem Faust eine neue, revolutionäre Ästhetik, in der Teile und Ganzes in ein neues Spannungsverhältnis treten, dem mit Konventionen und einem organischen Kunstbegriff nicht beizukommen ist. Zugleich bleibt er bei den großen Leidenschaften der Oper, nennt das Werk zunächst «Opéra de concert» und schafft damit eine neue (imaginäre) Bühnendramaturgie der Brüche, ...

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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Klaus Heinrich Kohrs

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