Im Zeichen des Kreuzes

Italienische Opernproduktionen aus Ferrara, Genua, Macerata und Mailand auf DVD

Opernwelt - Logo

Antonio Vivaldis lange verschollen geglaubte und erst vor zehn Jahren in fragmen-   tarischer Form wieder aufgetauchte Oper «Motezuma» ist in einer oberitalienischen Koproduktion der Städte Ferrara, Piacenza und Modena szenisch realisiert und als Video aufgezeichnet worden. Alan Curtis, der das Werk bereits bei Deutsche Grammophon eingespielt hat, stützte sich hier wie dort auf die authentisch klingende Rekonstruktion Alessandro Ciccolinis. In der Wiedergabe durch Il Complesso Barocco erweist sich diese Ausgrabung als großer Gewinn für das Barock-Repertoire.

Die auf Curtis eingeschworenen Musiker erzeugen einen drahtigen, dramatisch durchpulsten Klang, der die Spannung über zweieinhalb Stunden aufrechterhält. Regisseur Stefano Vizioli macht einen sauberen Job, indem er die Aufeinanderfolge von Rezitativen und Arien in szenische Ensembles auflöst und unter großem Einsatz von Statisterie auf beinahe leerer, von einem riesigen, am Boden liegenden Kreuz dominierter Bühne die etwas verwickelte Handlung so schlüssig wie möglich erzählt.

Die Besetzung ist erstklassig. Von den Sängern der CD-Produktion ist lediglich der Titelheld dabei, dem freilich dramaturgisch nur eine untergeordnete ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 28
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
Spontaneität und Wärme

Eines ihrer persönlichsten Projekte der letzten Jahre war 2002 die CD «Ninna Nanna»: achtzehn Wiegenlieder aus zwölf Ländern, in denen sich ihr warmer, sparsam vibrierender Sopran mit jener Menschlichkeit, jenem Engagement für Menschen verband, das ihr Markenzeichen war.

Montserrat Figueras stammte aus einem musikalischen Elternhaus. 1942 wurde sie in Barcelona...

Kapaune, Hühner – und eine Leidenschaft

«Ich erwarte täglich einen Sänger aus Italien, der Preußen sehr gut sein soll», schrieb Kronprinz Friedrich seiner Schwester Wilhelmine Anfang 1737 aus Rheinsberg.(1) Alle Hoffnungen ruhten auf seinem in Rom weilenden Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff – leider vergebens: «Die hiesige [sic] Castraten entschließen sich schwerlich von dannen zu gehen, die...

Musik, die aus der Kälte kommt

Kalt ist das Licht, das hinter einer durchsichtigen Lamellenwand erstrahlt, und der Wintermond macht eher frösteln, anstatt das Herz zu erwärmen. «Herr, mein Gott, erbarme dich unser!», lautet denn auch eine Gebetszeile in der Chor-«Ouvertüre», während sich schattenhaft eine Prozession durch den Schnee kämpft. «Russland in tiefer Nacht», heißt es dazu im...