Kühl kalkuliert
Der Oper wird gern vorgeworfen, sie sei unheilbar gestrig: zu «weiß», zu hierarchisch, nicht divers genug. Auf den zunehmenden Legitimationsdruck reagieren die meisten Häuser eher zaghaft und lagern ihre (Alibi-)Bemühungen bevorzugt in Begleitveranstaltungen aus. Die Amsterdamer Nationaloper geht die Sache offensiv an: Bereits vor einem Jahr kam mit «Anansi» eine spartenübergreifende, inklusive Produktion zur Uraufführung, die afrikanische Mythen aufgriff und westliche Narrative infragestellte.
Auf dieser Programmspur folgt nun auch die europäische Erstaufführung von «Blue» der (weißen) Komponistin und Dirigentin Jeanine Tesori – 2019 beim Glimmerglass Festival uraufgeführt und ein Jahr später von der Music Critics Association of North America als «Best New Opera» ausgezeichnet.
Das Werk spielt in Harlem und erzählt die Geschichte eines afroamerikanischen Polizeibeamten, dessen Sohn während einer Demonstration von einem Kollegen getötet wird. Die Geschichte wollte es, dass Tesoris Oper durch den gewaltsamen Tod von George Floyd und die dadurch ausgelöste «Black Lives Matter»-Bewegung eine erschreckende Aktualität (und mediale Aufmerksamkeit) zuwuchs. Alle Ankündigungstexte ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Regine Müller
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