Wo die Sterne strahlen
Der Anfang ist erheiternd – eine Diaschau mit aktuellen Bezügen zur historischen Caterina Cornaro (1454–1510), die nach dem Tod ihres Gatten Zypern regierte, ehe Venedig 1489 endgültig die Herrschaft über die Insel an sich riss. Man muss befürchten, dass Donizettis Oper als Klangkulisse eines öden Biopics missbraucht würde. Doch die erste Szene, die mit ordinärer Ausgelassenheit gefeierte Liebesheirat Caterinas mit Gerardo, die von Mocenigo, dem Repräsentanten Venedigs, unterbunden wird, wischt alle Bedenken hinweg.
Überfallartig, mit einer überzeichneten, choreografisch ausgefeilten Chorszene zieht Regisseurin Anna Drescher die Zuschauer ins Geschehen hinein. Mocenigo – ganz in schwarz, schräge Punk-Frisur, ein Lolly lutschend – macht Caterina mit einer Morddrohung gegen Gerardo gefügig und zwingt sie, im Interesse Venedigs den zypriotischen König Lusignano zu heiraten. Um wenigstens sein Leben zu retten, belügt sie den fassungslosen Gerardo, ihn nicht mehr zu lieben.
Was Donizetti an dem im Libretto recht frei behandelten Stoff anzog, war nicht die historische Realität, sondern der grobe Theatereffekt, der die Figuren von einer Gefühlskatastrophe in die nächste stürzen lässt. ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Uwe Schweikert
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