Im Vagen
Nach der Uraufführung von Bellinis «Zaira» 1829 in Parma hagelte es Spott: Wer die Inspiration von Herrn Bellini finden sollte, werde gebeten, sie im Büro des Impresarios abgeben – so der bissige Appell auf den Straßenaushängen tags darauf. Die auf Voltaires gleichnamiger Tragödie beruhende Oper in der Libretto-Fassung von Felice Romani war der erste große Misserfolg des Komponisten. Von Versuchen, das Stück umzuarbeiten, sah Bellini ab, weidete es aber in großen Teilen für andere Bühnenwerke aus.
«Zaira» verschwand, abgesehen von einem kurzen Intermezzo 1836 in Florenz, in der Versenkung, wurde erst 1976 in Palermo mit Renata Scotto in der Titelpartie wiederentdeckt, konnte sich aber auf den Spielplänen nicht durchsetzen.
Nun hat man sich ihrer am Stadttheater Gießen angenommen, verspricht das im Zeitalter der Kreuzzüge angesiedelte Belcanto-Werk um interkulturelle Beziehungen und religiöse Konflikte doch hochaktuelle Bezüge: Sultan Orosmane will die Christin Zaira heiraten, die als Sklavin in seinem Harem lebt. Sie will dafür zum Islam übertreten. Doch ihre Liebe wird weder vom muslimischen Hofstaat noch von den gefangenen Christen akzeptiert. Intoleranz auf beiden Seiten führt ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Silvia Adler
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«VB 1831 N», so lautet das Kennzeichen eines der vielen Autos, die uns Regisseur Christophe Coppens bei seiner Brüsseler Inszenierung von Vincenzo Bellinis «Norma» auf der Bühne präsentiert: die Initialen des Komponisten, das Entstehungsjahr der Oper und das ergänzende Norma-«N». Einer von mehreren lauen Gags. Dass es sich um ein Meisterwerk handelt: Das wird an...
