Mystik und Melodie
Von Orpheus wissen wir das. Singen besänftigt. Es zähmt wilde Tiere. Und ist nicht selten Balsam auf verwundeten Seelen. Manchmal ist es aber auch «nur» die pure Leidenschaft, die blüht wie ein riesiger Kirschblütenbaum. Bei der Mutter von George Alexander Albrecht war das der Fall. Singen war für sie die große Liebe, eine Art Lebenselixier. Mit dem Gesang ließ sich im Zweifelsfall sogar das Unheil der Welt vertreiben.
Kaum war ihr musisch begabter Spross als Chorknabe in der Bremer Liebfrauenkirche angemeldet, verwandelte er diese, ihm in die Wiege gelegte Gabe in konkrete Kunst: Wie sein früh bewundertes Vorbild Johann Sebastian Bach schrieb er jeden Sonntag eine Kantate. Die Besetzungen differierten, das Primat der Stimme(n) aber blieb gewahrt. Und das bis ins hohe Alter. Hören konnte man das noch, als im November 2015 Albrechts Andersen-Märchen-Vertonung «Die Schneekönigin» auf eine Textvorlage von Peter Truschner am Deutschen Nationaltheater Weimar uraufgeführt wurde (wo Albrecht von 1996 bis 2002 als GMD gewirkt hatte und danach zum Ehrendirigenten der Staatskapelle Weimar ernannt worden war). Jenseits avantgardistischer Bestrebungen war dieses im besten Sinne ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Jürgen Otten
Was wohl besser ist? Mit zwei Dutzend Mitbewerbern im Treppenhaus Schlange zu stehen vor der Mietwohnung respektive vor dem Makler, in der Tasche Lebenslauf und Kapitalnachweis? Oder nach der gleichen Warterei (und dem «ordentlichen» Schmieren der Verantwortlichen) ein Objekt zugeteilt zu bekommen, um schließlich im Plattenbau am Stadtrand zu landen? Ob Russland...
Am Ende war der Jubel groß. Wieder einmal hatte Frankfurts Intendant Bernd Loebe mit Mut zum Wagnis sein Publikum überwältigt. Und das mit einem Stück des hierzulande sträflich unterschätzten Nikolai Rimsky-Korsakow, das selbst die Kenner und Liebhaber dieses größten russischen Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts noch nie auf der Bühne sehen durften. An diesem...
Amüsiert erinnert man sich an eine Szene in Ken Russells Streifen «Lisztomania» (1975), in der Liszt-Darsteller Roger Daltrey die Brüste einer Frau «mechanisch» küsst, links, rechts, links, rechts – exakt zum Takt von Mälzels Metronom. Nicht nur in dieser frechen Szene schlüpfte der Frontman von The Who als Protagonist von Russells Film stimmig in die Schuhe des...
