Kein Himmel, nirgends
Da steht eine kaputte Kutsche im Winterwald von Fontainebleau, dem Ort der ersten Begegnung den spanischen Kronprinzen und seiner französischen Braut, die es nicht bleibt, weil die Politik dazwischenkommt und der König selbst zugreifen wird. Es ist dunkel – und heller wird es den ganzen langen Abend nicht mehr. Wir schauen in finstere Kloster- und Machtarchitekturen, Fenster vergittert, kein Blick nach draußen, kein Himmel, nirgends.
Das passt zu Verdis Pessimismus und zur Aussichtslosigkeit gerade dieses Stücks vom Scheitern von Liebe und Freiheit und von der Gnadenlosigkeit der Verhältnisse. Über «Don Carlo» kann man lesen, dass es darin zwar um Politik geht, wir aber vor allem auf Menschen sehen, die aus privaten Motiven handeln. Das stimmt. Schwächere Inszenierungen nehmen es beim Wort und versäumen, die Brisanz des Stücks, das Politische eben auch im Privaten aufzudecken. Diese, von Mark Daniel Hirsch am Theater Bonn, gehört dazu. Und weil Hirschs Figuren, in Helmut Stürmers effektvoll düsteren Bildern, zugleich auch auf der Bühne des Privaten fatal wenig miteinander anzufangen wissen, weil ihr bevorzugtes Habitat die Rampe ist, bleibt das Ergebnis der großen Anstrengung, ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Holger Noltze
«Poison!» schrieb der belgische, aber in Paris lebende und lehrende Organist und Komponist César Franck in dicken Lettern auf die Partitur von «Tristan und Isolde», die in der kurzen Blütezeit des französischen Wagnérisme geradezu ein Kultobjekt unter seinen Kollegen war. Aber er konnte es nicht verhindern, dass dieses «Gift» auch bei seinen Schülern Vincent...
Auch ausgewiesene Kenner von Gaetano Donizettis reichem Opernschaffen dürften von einer Opera buffa mit dem Titel «Le nozze in Villa» noch nie etwas gehört haben, einem Frühwerk des Komponisten, das nach der Uraufführung in Mantua (1819) und Reprisen in Treviso und Genua offenbar ganz in der Versenkung verschwand. Ein Autograph der Partitur war nicht mehr...
Was wohl besser ist? Mit zwei Dutzend Mitbewerbern im Treppenhaus Schlange zu stehen vor der Mietwohnung respektive vor dem Makler, in der Tasche Lebenslauf und Kapitalnachweis? Oder nach der gleichen Warterei (und dem «ordentlichen» Schmieren der Verantwortlichen) ein Objekt zugeteilt zu bekommen, um schließlich im Plattenbau am Stadtrand zu landen? Ob Russland...
