Im unbehausten Gehäuse
Natürlich wiederholt sich Geschichte nicht, jedenfalls nicht eins zu eins. Aber analoge Situationen lassen sich immerhin beobachten, zumindest nachträglich konstruieren. Vor gut 100 Jahren, mit Ende des Ersten Weltkriegs, führte mancherlei Not zu allerlei produktiven Provisorien. Auf die Opulenz von Hofmannsthals und Strauss’ «Frau ohne Schatten» folgte Strawinskys karge «Histoire du soldat». Nun nötigt die Pandemie in ganz anderer Weise zu vielfältigen Einschränkungen: des Repertoires, der Aufführungen, des Besuchs. Improvisation ist gefragt.
Ein bemerkenswertes Beispiel bietet das Würzburger Mainfranken Theater, das gerade saniert und erweitert wird – was dauert. Als Alternativspielstätte dient die Theaterfabrik Blaue Halle, zugehörig zu einer größeren, derzeit sehr gefragten, auf Kühlboxen spezialisierten Firma. Dieser Raum ist nicht nur als Ausweichspielstätte für Musik- und Tanztheater gut geeignet, er steht zudem für eine gelungene Symbiose von Industrie und Kultur. Einer Aufführung der Neuproduktion von Janáčeks «Sache Makropulos» stand also nichts im Wege, mit Ausnahme des pandemiebedingten Ausfalls des Orchesters. Auf die Premiere ganz verzichten wollte man der ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Gerhard R. Koch
Damals, 2003, mussten denkfähige Opernregisseure statt irrlichternder Shitstorms im Netz noch richtig analoge Protestgewitter aushalten, wenn sie die Sehgewohnheiten traditioneller Opernbesucher angegriffen hatten oder wenn sich politische und religiöse Gruppierungen durch widerständige Theaterideen ideologisch diskreditiert fühlen durften. Hans Neuenfels, der sich...
JUBILARE
Jane Henschel absolvierte ihr Gesangsstudium an der University of Southern California. Erste Opernengagements führten sie 1978 nach Deutschland, sie trat in Aachen, Wuppertal, Dortmund und an der Deutschen Oper am Rhein auf. Zahlreiche Gastspiele machten die Mezzosopranistin ab Ende der 1980er-Jahre in der ganzen Welt bekannt, umjubelt etwa als Amneris,...
Manchen Menschen sieht man schon an der Art, wie sie gehen, an, dass sie Ungebührliches im Schilde führen. Und jene mittelmäßig elegant gekleidete Dame gehobenen Alters, die da (in der Erinnerung liegt die allerdings unvergessene Begebenheit geschlagene neun Jahre zurück) während der zweiten Pause einer «Tannhäuser»-Aufführung in stechendem Schritt durchs obere...
