Im Strudel der Gewalt
Beim Applaus sind fast alle blutüberströmt: Polonius, der nach einer Rauferei mit Hamlet tot liegen geblieben ist; Laertes, den Hamlet bei Polonius’ Beerdigung mit einer Axt erschlagen hat; Claudius, der gleichfalls nicht entkommen konnte. Und schließlich Hamlet, weil sich Ophelia bei ihrer letzten Umarmung mit einem Küchenmesser zur Wehr zu setzen wusste.
Ob auch Gertrude ihren Wunden noch erliegen wird, oder ob sie tatsächlich als Einzige davonkommt und womöglich zuletzt als Vision der sterbenden Ophelia wieder auftaucht, die sich schließlich in der Badewanne die Pulsadern geöffnet hat: Wer könnte es sagen? Der Rest ist Schweigen.
Der Dänenprinz auf der Opernbühne: Das ist nicht unbedingt eins der beliebtesten Sujets in der Geschichte des Genres. Ambroise Thomas’ «Hamlet» führt die Statistiken an; im Shakespeare-Jahr 2016 erinnerten etwa die Bregenzer Festspiele an Franco Faccios «Amleto» (1865), und das Musik-Theater an der Wien brachte Anno Schreiers «Hamlet» als Uraufführung heraus. Mit Francesco Gasparinis «Ambleto» hat die historische Reihe 1705 in Venedig begonnen – und doch auch wieder nicht. Denn die Vorlage des Librettisten-Duos Zeno und Pariati war nicht etwa ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Walter Weidringer
La Monnaie» begibt sich für die Opernnovität ins «Theâtre National de Wallonie». Was naheliegt, denn Michael De Cock, der Chef des Hauses für die frankophonen und frankophilen Belgier, fungiert als Librettist. Sein Text greift auf ein im Verein mit Carme Portaceli verfasstes Stück zurück. Nicht Flauberts Roman hat also den Weg zur Oper direkt vorgezeichnet, der...
Wie Leoncavallo, Delibes oder Ponchielli ist auch Bizet der Komponist einer einzigen Oper. Wer kennt im Ernst mehr als seine «Carmen»? Gewiss, auch «Les Pêcheurs de perles» werden gelegentlich aufgeführt. Doch vor allem, weil es sich um eine One-Hit-Oper handelt. Im Fokus steht das Duett von Tenor und Bariton, die zu Flötentönen die verführerische Schönheit einer...
Sie habe das Stück «von einem eher langsamen Märchen in einen rasanten und brutalen Thriller verwandelt», schickt die Regisseurin ihrer Inszenierung voraus. Katie Mitchell hat also das Märchen gestrichen. Es wird nicht durch die Luft geflogen, es gibt keine prächtig bedeutungsgeladenen Traum-Architekturen; nur dass Keikobads Leute Wolfsoder Vogelköpfe tragen, ist...
