Editorial Opernwelt 6/25
Der Dichter schwärmt. Ist aber auch eine eher leichte Übung angesichts des besungenen Gegenstandes. «An die Musik» richtet sich das romantisch durchglühte Gedicht des Schubert-Freundes Franz Schober, welches der Genius späterhin in ein schmuckes D-Dur-Gewand steckte: «Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden / wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt, / hast Du mein Herz zu warmer Lieb entzunden, / hast mich in eine beßre Welt entrückt.
/ Oft hat ein Seufzer, deiner Harf entflossen, / ein süßer, heiliger Akkord von dir / den Himmel beßrer Zeiten mir erschlossen, / du holde Kunst, ich danke dir dafür.» Kann man es poetischer formulieren? Wohl kaum.
Nun ist das aber so eine Sache mit der Musik im Speziellen und der Kunst im Allgemeinen. Um sie auf höchstem Niveau in klingende Totalität zu überführen, braucht es auch in der besten aller möglichen Welten das nötige finanzielle Fundament. So frei und kühn der Geist seine Schwingen auch ausbreiten mag, so sehr fußt sein Tun, zumindest innerhalb eines bürgerlichen gesellschaftlichen Rahmens, auf der dafür nötigen Materie. Salopp und etwas burschikos gesagt: Ohne Knete keine Kunst. Welche Kapriolen daraus erwachsen, zeigt die aktuelle ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Der Berg ruht. Ist ganz jener «starrende Fels», wie ihn Ludwig Rellstab in seinem Gedicht «Der Aufenthalt» besungen und Franz Schubert ihn in jenes elegische e-Moll-Lied gekleidet hat, dessen trockene Triolen noch nach dem Schlusston weiter durch Hirn und Herz pochen. Das bewaldete Gebirg’, welches die 17.000-Seelen-Gemeinde zur Schweizer Grenze schutzgebietend...
Nicht Welten trafen im März 2016 in München aufeinander, eher Galaxien. Mahlers «Lied von der Erde» im Nationaltheater: Das war ein Grand mit drei Buben. Drei (durchaus sympathische) Streber standen da einem gegenüber, die auch ohne Hausaufgaben das Klassenziel erreichten, weil ihnen offenbar alles in den Schoß fiel. Hier Kirill Petrenko, der penible Abschmecker,...
Lustwandeln, sich den Klängen, dem Raum, dem gedämpften Licht überlassen, das ginge auch. Aber dann verpasst man etwas; an manchen Stellen des Münchner Utopia, der ehemaligen Reithalle am Rande des Zentrums, tut sich schließlich Entscheidendes. Wie etwa der riesenhafte Corey Scott-Gilbert unter Zuckungen und Krämpfen das Wachsen einer Kiefer nachspielt, dem...
