Editorial Opernwelt 6/25

Opernwelt - Logo

Der Dichter schwärmt. Ist aber auch eine eher leichte Übung angesichts des besungenen Gegenstandes. «An die Musik» richtet sich das romantisch durchglühte Gedicht des Schubert-Freundes Franz Schober, welches der Genius späterhin in ein schmuckes D-Dur-Gewand steckte: «Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden / wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt, / hast Du mein Herz zu warmer Lieb entzunden, / hast mich in eine beßre Welt entrückt.

/ Oft hat ein Seufzer, deiner Harf entflossen, / ein süßer, heiliger Akkord von dir / den Himmel beßrer Zeiten mir erschlossen, / du holde Kunst, ich danke dir dafür.» Kann man es poetischer formulieren? Wohl kaum.

Nun ist das aber so eine Sache mit der Musik im Speziellen und der Kunst im Allgemeinen. Um sie auf höchstem Niveau in klingende Totalität zu überführen, braucht es auch in der besten aller möglichen Welten das nötige finanzielle Fundament. So frei und kühn der Geist seine Schwingen auch ausbreiten mag, so sehr fußt sein Tun, zumindest innerhalb eines bürgerlichen gesellschaftlichen Rahmens, auf der dafür nötigen Materie. Salopp und etwas burschikos gesagt: Ohne Knete keine Kunst. Welche Kapriolen daraus erwachsen, zeigt die aktuelle ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Zeichen der Zeit

Eine Fellmütze, aus der Büffelhörner sprießen: Dieser stumme Mann gehört nicht hierher. Jacob Chansley alias der «QAnon-Schamane» und ikonischer Teil des Mobs, der 2021 das US-Kapitol stürmte, hat sich nach Moskau verlaufen. Auch in ein anderes Zeitalter und in ein anderes System? Da kann man sich nicht ganz so sicher sein. Sagt diese Produktion, die sich einreiht...

Belle Époque mit nüchternem Geist

Die Komponistin», so Virginia Woolf 1929 in ihrem Essay «Ein Zimmer für sich allein», «steht heute noch da, wo zu Shakespeares Zeiten die Schauspielerin stand» – im Abseits. Und sie zitiert das Verdikt eines Kritikers: «Das Komponieren einer Frau ist wie das Laufen eines Hundes auf den Hinterbeinen. Es geht nicht besonders, doch man ist überrascht, dass es...

Surreal real

Oper? Tanztheater? Tragödie? Oder gar Comedy? Franck Chartier würde vermutlich nie nein sagen. Formal gesehen firmiert seine Inszenierung von Purcells «Dido and Aeneas» als Debüt in der Musiktheaterregie: für die Opernhäuser in Genf, Lille und Luxembourg. Und jetzt eben Basel. Doch das Ergebnis lässt sich erst mal schwer greifen. So wie der Sand, den es im Laufe...