Ein moderner Traditionalist
Als ich Giselher Klebe im März 2006 in Detmold zu einem Gespräch traf, galt meine letzte Frage der Zukunft der Oper als komponierter Form, wie er sie betrieben hat. Seine Antwort war niederschmetternd: «Es besteht die Gefahr, dass sie keine Zukunft hat.» Aufgeführt wurden seine Bühnenwerke schon damals kaum mehr, und diskographisch war es um ihn seit jeher schlecht bestellt.
Inzwischen hat die Furie des Verschwindens Klebes melancholisch-pessimistische Ahnung zur blanken Tatsache gemacht und sein mehr als 150 Werke umfassendes Œuvre, wie das fast aller seiner Zeitgenossen – nicht nur der älteren, schon im Dritten Reich aktiven Kollegen, sondern, mit Ausnahme Henzes, Reimanns oder Rihms, auch der unmittelbaren Nachkriegsgeneration –, so gut wie spurlos verschluckt.
Klebe hat die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wie kein zweiter Komponist begleitet. Schon der Heranwachsende war ein wacher, kritischer Beobachter, der sich vom Faschismus nicht blenden ließ – als Mensch wie als Musiker. Zum politischen Zeitgeschehen, in das ihn der Zweite Weltkrieg hineinriss, versuchte er ebenso Distanz zu halten wie zur nazistischen Vergewaltigung der Kunst. Noch während des Krieges ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Essay, Seite 78
von Uwe Schweikert
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Mit 2700 Sitzen und einer 20 Meter hohen Decke wirkt der Saal der Opéra Bastille eher einschüchternd als einladend. Ein großer Raum für große Gesten. Wie stark muss die Versuchung sein, ihn mit allem zu füllen, was Stimme und Körper zu bieten haben. Asmik Grigorian aber steht einfach nur da und singt – die Hände locker ineinander gelegt. Ihr braunes Haar umspielt...
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