Ein moderner Traditionalist
Als ich Giselher Klebe im März 2006 in Detmold zu einem Gespräch traf, galt meine letzte Frage der Zukunft der Oper als komponierter Form, wie er sie betrieben hat. Seine Antwort war niederschmetternd: «Es besteht die Gefahr, dass sie keine Zukunft hat.» Aufgeführt wurden seine Bühnenwerke schon damals kaum mehr, und diskographisch war es um ihn seit jeher schlecht bestellt.
Inzwischen hat die Furie des Verschwindens Klebes melancholisch-pessimistische Ahnung zur blanken Tatsache gemacht und sein mehr als 150 Werke umfassendes Œuvre, wie das fast aller seiner Zeitgenossen – nicht nur der älteren, schon im Dritten Reich aktiven Kollegen, sondern, mit Ausnahme Henzes, Reimanns oder Rihms, auch der unmittelbaren Nachkriegsgeneration –, so gut wie spurlos verschluckt.
Klebe hat die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wie kein zweiter Komponist begleitet. Schon der Heranwachsende war ein wacher, kritischer Beobachter, der sich vom Faschismus nicht blenden ließ – als Mensch wie als Musiker. Zum politischen Zeitgeschehen, in das ihn der Zweite Weltkrieg hineinriss, versuchte er ebenso Distanz zu halten wie zur nazistischen Vergewaltigung der Kunst. Noch während des Krieges ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Essay, Seite 78
von Uwe Schweikert
Das falsche Stück zur falschen Zeit am falschen Ort: So lautet das traurige Fazit nach der Uraufführung von «Adam und Eva» zur Eröffnung der diesjährigen Schwetzinger SWR-Festspiele. Angekündigt war Mike Svobodas Musiktheater nach dem gleichnamigen Schauspiel des einstigen Erfolgsautors Peter Hacks, der 1955 aus politischer Überzeugung von der BRD in die DDR...
Es ist ein heiteres Stück mit einem traurigen Ende, und ich selbst habe meinen Platz an diesem traurigen Ende.» So hat Leoš Janáček «Die Abenteuer der Füchsin Schlaukopf» – dies der originale Titel seiner 1924 in Brünn uraufgeführten Oper – charakterisiert, in der sich Tiere wie Menschen in einem ewigen Kreislauf von Leben und Tod, Werden und Vergehen begegnen. Die...
Mit dieser Frau ist nicht zu spaßen. Zuhause führt sie ein strenges Regiment, zu trinken gibt es nur kalten Lindenblütentee, und mit ihrer Entdeckung des «Schwarzen Waldmeisters» will sie in die Biologiehistorie eingehen: Nein, das ist eben nicht jene «Malwine, ach Malwine», von der die höhersemestrigen Operettenfans wissen, dass sie «wie eine Biene» sei. Falsches...
