Ein moderner Traditionalist
Als ich Giselher Klebe im März 2006 in Detmold zu einem Gespräch traf, galt meine letzte Frage der Zukunft der Oper als komponierter Form, wie er sie betrieben hat. Seine Antwort war niederschmetternd: «Es besteht die Gefahr, dass sie keine Zukunft hat.» Aufgeführt wurden seine Bühnenwerke schon damals kaum mehr, und diskographisch war es um ihn seit jeher schlecht bestellt.
Inzwischen hat die Furie des Verschwindens Klebes melancholisch-pessimistische Ahnung zur blanken Tatsache gemacht und sein mehr als 150 Werke umfassendes Œuvre, wie das fast aller seiner Zeitgenossen – nicht nur der älteren, schon im Dritten Reich aktiven Kollegen, sondern, mit Ausnahme Henzes, Reimanns oder Rihms, auch der unmittelbaren Nachkriegsgeneration –, so gut wie spurlos verschluckt.
Klebe hat die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wie kein zweiter Komponist begleitet. Schon der Heranwachsende war ein wacher, kritischer Beobachter, der sich vom Faschismus nicht blenden ließ – als Mensch wie als Musiker. Zum politischen Zeitgeschehen, in das ihn der Zweite Weltkrieg hineinriss, versuchte er ebenso Distanz zu halten wie zur nazistischen Vergewaltigung der Kunst. Noch während des Krieges ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Essay, Seite 78
von Uwe Schweikert
Judith Weir korrigiert in ihrer 2011 als Koproduktion der Bregenzer Festspiele und der Royal Opera Covent Garden uraufgeführten Oper «Miss Fortune» eine trügerische Märchenbotschaft: Gutsein und Können allein reichen nicht, wenn das Leben gelingen soll. Die britische Hofkomponistin vertonte ein sizilianisches Märchen aus der Sammlung von Giuseppe Pitrè, das Werk...
Zur Signatur des Ende dieser Spielzeit scheidenden Dramaturgen-Intendanten Peter de Caluwe gehören die Pasticcios, lässig alle Werkgrenzen überschreitenden Mash Ups, die gängiges Repertoire als Material verstehen, das auf dem Weg der Dekonstruktion neu ausgeleuchtet wird. Mit einer «Trilogia Mozart Da Ponte» begann es vor fünf Jahren, es folgten der...
Sie habe das Stück «von einem eher langsamen Märchen in einen rasanten und brutalen Thriller verwandelt», schickt die Regisseurin ihrer Inszenierung voraus. Katie Mitchell hat also das Märchen gestrichen. Es wird nicht durch die Luft geflogen, es gibt keine prächtig bedeutungsgeladenen Traum-Architekturen; nur dass Keikobads Leute Wolfsoder Vogelköpfe tragen, ist...
