Und seine Seele schwebt hinauf zum Himmel
Wie es im Maschinenraum der Welt tickt? E. T. A. Hoffmann hatte davon mehr als nur eine leise Ahnung, der reisende Enthusiast war bewandert in der Kunst des Unbewussten, Unterbewussten. Und er fühlte sich pudelwohl in jenen nietzscheanisch verschleierten Sphären, in denen alles, was der Fall ist, «tiefer als der Tag gedacht» wurde, und wo alle Lust Ewigkeit erstrebte, «tiefe, tiefe Ewigkeit».
Spätestens mit dem sechsten seiner «Fantasiestücke in Callot’s Manier» betrat der psychologisch wie pathologisch versierte Dichter eine Landschaft, die ihm vertrauter war als vielen anderen Romantikern; diesbezüglich konnte ihm nur Justinus Kerner das Wasser reichen. Aber wozu hatte Hoffmann schließlich auch Schellings Studie «Von der Weltseele» und Gotthilf Heinrich Schuberts «Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaft» gelesen?!
Sein Interesse galt von nun an in erster Linie dem «chronischen Dualismus», der Schizophrenie; multiple Persönlichkeiten und ihre wahn -hafte Selbstspaltung faszinierten ihn maßlos. Ein Beleg findet sich in den Bamberger Tagebüchern: «Ich denke mir mein Ich durch ein Vervielfältigungsglas; – alle Gestalten, die sich um mich herumbewegen, sind Ichs, und ich ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Jürgen Otten
Es muss ihm wie ein Traum vorgekommen sein. Schon ein Greis war Gustave Charpentier, als die Opéra-Comique in Paris anlässlich des 50-jährigen Bühnenjubiläums seiner «Louise» eine neue Inszenierung durch den französischen Maler Maurice Utrillo vorbereitete, die gut und gern unter dem Motto «1000 Mal berührt, und stets ist etwas passiert» hätte stehen können. Denn...
Glucks am 18. Mai 1779 in Paris uraufgeführte «Iphigénie en Tauride» war nicht die erste französische Oper, die den Stoff des antiken Dramas von Euripides aufgriff. Fast auf den Tag genau 75 Jahre früher war an der Pariser «Académie Royal de Musique» das Gemeinschaftswerk von Henry Desmarest und André Campra herausgekommen. Der wegen seiner Liaison mit einer...
Als Theodor Fontane gefragt wurde, um was es im «Stechlin», seinem letzten Roman, denn gehe, brauchte er nicht viele Worte: «Zum Schluss stirbt ein Alter, und zwei Junge heiraten sich; – das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht.» Der Rest: literarisches Abendleuchten, Gelassenheit des Alters, ein lächelndes Ja-Sagen zur Hinfälligkeit alles...
