Und seine Seele schwebt hinauf zum Himmel
Wie es im Maschinenraum der Welt tickt? E. T. A. Hoffmann hatte davon mehr als nur eine leise Ahnung, der reisende Enthusiast war bewandert in der Kunst des Unbewussten, Unterbewussten. Und er fühlte sich pudelwohl in jenen nietzscheanisch verschleierten Sphären, in denen alles, was der Fall ist, «tiefer als der Tag gedacht» wurde, und wo alle Lust Ewigkeit erstrebte, «tiefe, tiefe Ewigkeit».
Spätestens mit dem sechsten seiner «Fantasiestücke in Callot’s Manier» betrat der psychologisch wie pathologisch versierte Dichter eine Landschaft, die ihm vertrauter war als vielen anderen Romantikern; diesbezüglich konnte ihm nur Justinus Kerner das Wasser reichen. Aber wozu hatte Hoffmann schließlich auch Schellings Studie «Von der Weltseele» und Gotthilf Heinrich Schuberts «Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaft» gelesen?!
Sein Interesse galt von nun an in erster Linie dem «chronischen Dualismus», der Schizophrenie; multiple Persönlichkeiten und ihre wahn -hafte Selbstspaltung faszinierten ihn maßlos. Ein Beleg findet sich in den Bamberger Tagebüchern: «Ich denke mir mein Ich durch ein Vervielfältigungsglas; – alle Gestalten, die sich um mich herumbewegen, sind Ichs, und ich ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Jürgen Otten
Als Theodor Fontane gefragt wurde, um was es im «Stechlin», seinem letzten Roman, denn gehe, brauchte er nicht viele Worte: «Zum Schluss stirbt ein Alter, und zwei Junge heiraten sich; – das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht.» Der Rest: literarisches Abendleuchten, Gelassenheit des Alters, ein lächelndes Ja-Sagen zur Hinfälligkeit alles...
Eines kann man dem Duo Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka gewiss kaum vorwerfen: dass sie ihr Konzept nicht beinhart durchziehen würden. Auch der dritte Teil ihres «Rings» verlegt das Bühnenwerk komplett in jenes mehrgeschossige Labor, in dem blonde oder blondierte Götter, Nachtalben, Menschen und Klone seit vielen Opernstunden an Fortpflanzungsgeschichten...
Als Theodor W. Adorno in seiner 1962 publizierten «Einleitung in die Musiksoziologie» gleich zu Beginn, im Kapitel «Typen musikalischen Verhaltens», den durchaus ambitionierten Versuch unternahm, verschiedene Hörertypen zu definieren, wusste er selbst, dass diese Rubrizierung nur in einem idealtypischen Sinne und sehr allgemein, als eine Art «Mutmaßung» zu...
