Im Puppenhaus
Seit geraumer Zeit wird in ambitionierten Opernaufführungen die Ouvertüre zum Anlass für stumme Kommentare, Hintergründe oder Rückblenden genommen. Die als Einstimmung und Vorstellung der wichtigsten musikalischen Themen gedachte Musikstrecke sieht sich umfunktioniert zur Tonspur eines Stummfilms. Man ist schon fast irritiert, wenn, wie jetzt in Wuppertal, der Vorhang einfach mal unten bleibt und die Musik das Wort führt.
Zum Ende der Ouvertüre, die Johannes Witt mit Schwung und Sentiment dirigiert, geschieht dann aber doch noch etwas: In weißer Frakturschrift leuchtet der Titel der Oper auf, wird aber alsbald überblendet vom Schriftzug «Marguerite», bis er schließlich darunter ganz verschwindet.
Damit ist unschwer zu verstehen, dass Regisseur Matthew Ferraro, der auch sein eigener Bühnenbildner ist, die Gretchentragödie in den Mittelpunkt seiner Interpretation stellt. Wenn man es denn Interpretation nennen will, was der amerikanische Regisseur, der in seinem Vorleben Tänzer an der New Yorker Metropolitan Oper und Choreograph war, in den folgenden gut drei Stunden auf die Bühne bringt. Ferraro inszeniert Gounods Oper ganz ohne Subtext oder Dekonstruktions-Absichten sozusagen vom ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Regine Müller
Als Theodor Fontane gefragt wurde, um was es im «Stechlin», seinem letzten Roman, denn gehe, brauchte er nicht viele Worte: «Zum Schluss stirbt ein Alter, und zwei Junge heiraten sich; – das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht.» Der Rest: literarisches Abendleuchten, Gelassenheit des Alters, ein lächelndes Ja-Sagen zur Hinfälligkeit alles...
Eine todbringende Gesellschaft ist das, aber lustig anzusehen. Besondere Erheiterung schaffen jene beiden Pferde, welche die Omnibus-Kutsche, eine Vorform des öffentlichen Verkehrs, auf die Bühne ziehen. Die Pferde – nun, es sind keine Pferde, sondern Theatertiere, gespielt von Statisten, die ihre Wartezeiten in eher gekrümmter Körperhaltung und mit gewiss nicht...
Verdis «La forza del destino» ist und bleibt ein Sorgenkind der Regie. Zu unüberschaubar das Gewirr der Handlung, zu lose gereiht die Szenenfolge um die Liebe zwischen der adeligen Leonora und dem «Mestizen» Alvaro aus indigenem Adel. Ein versehentlich sich lösender Pistolenschuss, die Verfolgung des getrennten Paares durch Leonoras fanatisch hassenden Bruder...
