Im philosophischen Nichts
Christian Hemke, Leiter des Weimarer Kunstfests, legt den Finger gern genau da in die Weltgeistwunde, wo es nach wie vor (oder jetzt erst recht) wehtut: beispielsweise in die der regionalen kulturellen Versteppung mitsamt Rechtsruck – oder in die eines nicht erst seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine pauschal verurteilenden Anti-Amerikanismus, der eine satte Kapitalismuskritik einschließt.
Auch in dem Musiktheater «missing in cantu (eure paläste sind leer)» von Johannes Maria Staud auf ein Libretto des Dramatikers Thomas Köck, das Anfang September als Auftragswerk des Kunstfests im Deutschen Nationaltheater Weimar uraufgeführt wurde, ist das kaum anders. Das Stück laviert mehr oder minder geschickt zwischen Nummernrevue, Moritatengesang und Brechts epischem Theater, und es bezieht das Publikum als eine Art Glotz -kolonne mit ein, die ihrem eigenen Untergang geschmäcklerisch beiwohnt.
Ob die auf einer endzeitlich mit Dschungel-, Schlachthaus- und Palastraum ausstaffierten Drehbühne angesiedelte Handlung mit mehreren Zeitebenen (von der Eroberung von Mexiko bis zum Drogenkollaps der US-amerikanischen Gesellschaft) kompositorisch nun ein Requiem oder doch mehr eine ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Achim Heidenreich
Als Volkstheater war das heutige Staatstheater am Gärtnerplatz konzipiert, als es 1865 in München eröffnet wurde. Seitdem hat es wechselhafte Geschicke durchlaufen, aber als Faustregel galt immer: Dem Haus ging es umso besser, je stärker es sich schon im Repertoire von der größeren, finanziell bessergestellten Bayerischen Staatsoper in derselben Stadt absetzte. Je...
Was ist sie doch für ein elegantes Räderwerk, diese Olympia, ein Spielzeug, das selbst spielen will. Mit seinen langen Fangarmen greift es nach dem Künstler und schwingt ihn rund um die eigene Achse. Es beglückt ihn wie die Blumen, die Vögel, die Herzen, die aus den Brüsten und aus tiefer gelegenen Körperregionen schießen im zweiten Akt von «Les contes d’Hoffmann»...
Einer der besterhaltenen Theaterbauten des 18. Jahrhunderts, prachtverliebt und doch geschmackvoll, riesig für seine Zeit und zugleich intim, leuchtend in Blau und Gold und dennoch aus Holz, Zeichen höfischer Eitelkeiten wie des Bewusstseins für Vergänglichkeit – das ist das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth. Es war der 1748 von Markgräfin Wilhelmine eröffnete...
