Bloß kein Pathos!
Der Etat gäbe es her. Kelch, Speer, etwas rote Farbe für die Wunde, all das könnte sich das Landestheater Niederbayern schon leisten – auch wenn man naturgemäß klamm ist. Allein: Nichts davon ist zu sehen in diesem «Parsifal». Als Amfortas am Altar steht und das verdeckende Tuch wegzieht, ist da: nichts. So entzückt die Ritter auch die Leerstelle betrachten und ihr die Hände entgegenstrecken. Eine Hintergründigkeit mit häretischem Potenzial.
Was, wenn sich da eine Ritterrunde versammelt zum regelmäßigen Ritual, obwohl es dafür keine Utensilien, keine Nachweise gibt?
Wer’s glaubt, wird selig: Der regieführende Intendant Stefan Tilch erlaubt sich einen Seitenhieb auf alle möglichen spirituellen Gemeinschaften, die über objektiv Nachprüfbares bekanntlich schwer funktionieren können. Zu erleben ist das alles im Theaterzelt am Rande von Landshut. Und es ist ein weiterer Beweis: Vor XL-Opern hat das Landestheater nie Angst gehabt, auch wenn man hier – wie an den weiteren Spielstätten Passau und Straubing – Bühnen im XS-Format zur Verfügung hat.
Als Intendant Stefan Tilch vor 24 Jahren hier startete, riskierte er gleich einen «Rosenkavalier». 2014 dann der Einschnitt: Das historische ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Peter Krause
Irgendwo im Weltall, sagen wir, abends um halb acht. Ein Raumschiff trudelt durch die leere Weite (oder weite Leere?), und das Einzige, was die Insassen zu beglücken vermag, ist Musik. Musik von Mozart. Sie ist es, die Trost spendet, die dem Vakuum des Universums und der Seelen noch jene «Fülle» verleiht, von der Charles Taylor in seinem Opus magnum «Ein säkulares...
Otello ist eine gebrochene Person. Sein Auftrittsruf «Esultate!», obwohl von George Oniani mit metallischer Härte und Kraft herausgeschleudert, hat nichts Triumphales, allein schon wegen des szenischen Arrangements in der Bonner Neuproduktion von Leo Muscato: Das Volk blickt nach vorn, er kommt von hinten. Bemitleidenswert ist er in der Liebesnacht mit Desdemona....
Drei Notenpulte stehen vor dem Eingang in den Zuschauerraum des Allee Theaters. Noch sind die Flügeltüren in den Saal verschlossen. Kaum eingetreten in das Foyer von Hamburgs kleinstem Opernhaus sind wir dennoch gleich mittendrin im munteren Geschehen. Und unversehens spielen wir mit. Es braucht ein paar inspirierende Irritationsmomente, um das Experiment in diesem...
