Im Liebesbermudadreieck
Jean-Marie Leclairs am 4. Oktober 1746 in der Pariser Académie royal de musique uraufgeführte Tragédie «Scylla et Glaucus» war ein schneidender Misserfolg und wurde trotz einer sofortigen Überarbeitung bereits zwei Monate später nach 18 Vorstellungen abgesetzt. Es sollte der einzige Ausflug des berühmten Geigers und Instrumentalkomponisten in die Oper bleiben. Erst John Eliot Gardiner hat das Werk 1986 in Lyon der Vergessenheit entrissen.
Seither gilt es als eine der heraus -ragenden Manifestationen des französischen Barock und wurde mehrfach auf Schallplatten eingespielt, zuletzt von Stefan Plewniak unter Mitwirkung des Centre de musique baroque de Versailles. Binnen Jahresfrist folgt jetzt eine weitere Aufnahme unter György Vashegyi mit seinen Budapester Ensembles, dem Purcell Choir und dem Orfeo Orchestra – übrigens erstmals nicht nach der im Druck erschienenen Version, sondern nach der nur handschriftlich überlieferten Überarbeitung. Vokal stellt sie die Konkurrenz in den Schatten, kann aber in der Prägnanz wie Eleganz des virtuosen Instrumentalspiels nicht ganz mithalten.
Dass das Stück seinerzeit durchfiel, mag dem heutigen Hörer angesichts der originellen, großartigen Musik ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Medien, Seite 28
von Uwe Schweikert
Mein Bild ist meine Bühne», sagte der Maler William Hogarth einmal über sich selbst. Sprach’s und setzte es in Kunst um: Zwischen 1733 und 1735 widmete er acht gesellschaftskritische Gemälde und Stiche «A Rake’s Progress», dem Werdegang eines Wüstlings – und inspirierte gut 200 Jahre später Igor Strawinsky und seine Librettisten zu einer fast gleichnamigen Oper...
Vor dem zweiten Aufzug informiert eine Einblendung darüber, dass den an dieser Produktion beteiligten Tieren kein Leid zugefügt wurde. Das lässt hoffen, den Pferden der Walküren sei nicht zuvor für sie präpariertes Valium verabreicht worden. Seelenruhig stehen sie mitten im allgemein aufgekratzten «Hojotoho!», trappeln gemächlich mal nach links, mal nach rechts und...
Brittens letzte Oper «Death in Venice» ist – wie seine Vorlage, Thomas Manns Novelle «Der Tod in Venedig» – ein Werk über das Sterben, es fragt nach der Würde oder der fehlenden Würde des Dahingehens. Ein Werk über das Vergreisen ist es jedoch keineswegs. Genau in diese Falle tappt Magdalena Fuchsberger mit ihrer Inszenierung am Theater Heidelberg. Der Dichter...
