Im Husch da, im Husch vorüber
Ein «Welttheater der Liebe» hat Walter Felsenstein «Le nozze di Figaro» einmal genannt. Nur vergaß der renommierte Regisseur, einer der Pioniere des Regietheaters im deutschsprachigen Raum, zu erläutern, wie genau diese «Liebe» konfiguriert sein könnte – ob es sich dabei um eine solche handle, die in jeder Minute eine (erotische) Entscheidung sei, ob sie das allumfassend Spirituelle meine – oder ob sie sich, als Agape oder Philia, dem Empathischen verschrieben habe. In der Münchner Inszenierung von Evgeny Titov ist die Liebe erst einmal in den Keller gekommen.
Die Bühne von Ausstatterin Annemarie Woods zeigt einen rostigen, von einer hochaufragenden Rückwand und schwergängigen Eisentüren (die verschlossen zu sein scheinen, sich aber dann doch wie von Wunderhand ganz leicht öffnen lassen) begrenzten Raum. Das Interieur spärlich: ein schmutziges Waschbecken, das man lieber nicht benutzen möchte, und ein riesiger (elektrischer) Zauberstuhl; man ahnt schon, wer am Ende darauf Platz nehmen wird. Doch ist dies kein gewöhnliches Sitzmöbel, sondern ein wahres Folterinstrument, mit roten Schalthebeln an den Seiten und allerlei seltsamen Vorrichtungen, deren Wirkkraft wohl nur S&M-Experten ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Jürgen Otten
Der Siegeszug der Eisenbahn hat im Musiktheater bemerkenswert schmale Spuren hinterlassen – anders als in der absoluten Musik, man denke nur an Arthur Honeggers «Pacific 231«, ganz zu schweigen von Film und Literatur, wo Bahnhöfe als Orte der Sehnsucht und dramatischer Wendungen spätestens seit Tolstoi gesetzt sind, und von der Pop-Musik, in der (Sonder-)Züge nach...
Aber darum geht es mir eben nicht, liebe Ellice!» – Mitten im Gespräch beginnt sie, die neue Oper des Komponisten Manfred Trojahn für die Deutsche Oper am Rhein. Mit einer Widerrede. Gegen eine eigene Aussage oder gegen ihre? Das bleibt links des Notenschlüssels verborgen, doch die Ich-Perspektive des Protagonisten Osbert Brydon ist gesetzt, erst in Takt 28 rückt...
Ein Junge läuft auf die fast leere Bühne des Gärtnerplatztheaters, bald steigen Sonne, Mond und Sterne auf, der ganze alte Theaterzauber, nur hergestellt mit neuen, digi -talen Mitteln. Viel braucht Josef E. Köpplinger, Intendant des Hauses, nicht für die «Zauberflöte»: ein paar Treppen, verschiebbare Wände, einen Kubus aus Leuchtstoffröhren – für den Rest bleibt...
