Im Höhenflug

Eine kluge Stückauswahl, inspirierende, aufregende Regiearbeiten, profilierte Dirigenten und wunderbare Sängerdarsteller: An der Oper Frankfurt stimmt die künstlerische Chemie

Ein bisschen erinnert das Ganze an die Geschichte von Phönix, der aus der Asche stieg: Immer wieder hat sich die Oper Frankfurt nach Krisen zu blühender Höhe aufgeschwungen, unterstützt von einem wohlsituierten, neugierigen Stadtbürgertum, das ästhetische Bildung nach wie vor für ein wesentliches Gut hält und dem Ungewohnten, Unerhörten gegenüber aufgeschlossen ist. Das bestätigte sich am «Opernhaus
des Jahres» einmal mehr in jüngster Zeit: Das vielseitige Angebot der Saison 2017/18 fand lebhafte Resonanz.

Warum künstlerische Ambitionen ökonomischer Vernunft und kontinuierlicher Qualitätskontrolle bedürfen, erklärt Frankfurts Intendant Bernd Loebe im Gespräch

Komisch. Man sieht das Foto an und muss augenblicklich an Gibril Farishta denken, diesen tollkühn-tolpatschigen Helden der «Satanischen Verse». Das Foto zeigt das Frankfurter Bahnhofs- und Bankenviertel mit seinen steil aufragenden, schlanken Türmen, und mittendrin eine Flunder: die Städtischen Bühnen. In Gedanken stellt man sich vor, wie Gibril, dieser «unmusikalische Solist», aus einer Höhe von 8840  Metern in freiem Flug in die Mainmetropole fallen, punktgenau im Zentrum der Kunst landen und denken würde: Schön hier!

Der ...

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Opernwelt Jahrbuch 2018
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 6
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rätselhaft klar

In der vergangenen Spielzeit machten diese neuen Stücke den stärksten Eindruck: Heinz Holligers «Lunea» nach Nikolaus Lenau in Zürich (die «Uraufführung des Jahres»), Aribert Reimanns «L’Invisible» nach Maurice Maeterlinck an der Deutschen Oper Berlin, Toshio Hosokawas «Erdbeben. Träume» nach Heinrich von Kleist in Stuttgart und Arnulf Herrmanns «Der Mieter» nach...

Ganz schön ratlos

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs war die alte Ordnung Europas passé. Es folgten Jahre der sozialen und politischen Polarisierung. Auch über die Zukunft der Künste wurde erbittert gestritten. Nicht nur in der Oper hatte der Um- und Aufbruch natürlich schon vorher begonnen. Gibt manches Werk, damals uraufgeführt und heute wieder in den Blick genommen, Aufschluss...

Das Verschüttete aufspüren

Toshio Hosokawas Musik lebt aus dem Spannungsverhältnis von japanischer Tradition und westlicher Avantgarde. Drei seiner Opern – «Hanjo» (2004), «Matsukaze» (2011) und zuletzt «Stilles Meer» (2016) – beruhen auf Stoffen des japanischen Nō-Theaters. Für sein jüngstes Musiktheaterwerk «Erdbeben. Träume» hat Hosokawa sich, wie bei seinem Erstling «Vision of Lear»...