«I’m gonna be free»

Bernhard Glocksin verabschiedet sich nach 21 Jahren Intendanz mit einem musiktheatralen Triptychon von der Neuköllner Oper

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Stimmengewirr und Sirenengeheul, dazwischen Fetzen von Musik: So klingt Neuköllner Lokalkolorit, so klingt der Auftakt eines Theaterabends an der Neuköllner Oper. Dann plötzlich Stille. Eine Geschichte beginnt. Es ist die Geschichte des Zirkus Navara, der in die Stadt kommt und ihre Bewohner für einen Augenblick verzaubert: In Haus 7 fängt ein Stummer an zu singen. Und in Haus 12, wo eine Frau tagein tagaus von ihrem Mann angeschrien wird, verwandelt sich der Aggressor auf einmal in einen Bären.

Und das, obwohl die großen Zeiten des Zirkus eigentlich vorbei seien, wie die Erzählerin berichtet. Aber der Zirkus Navara sei nicht irgendein Zirkus. Er sei ein magischer Zirkus, der, selbst wenn er abbrennt, als unsterblicher Geisterzirkus weiterzieht. All diese kuriosen Behauptungen stützen sich auf nicht mehr als die Worte von Karoline Gable, die mit leeren Händen, aber leuchtenden Augen auf der Bühne steht und mit der Macht des gesprochenen Wortes für die Dauer eines Abends das repariert, was am Irrsinn des Weltgeschehens zerbrochen ist: «Die Zeit ist blind und wir sind es auch.»

Musik gibt es auch, aber spärlich. Piano-Riffs und eingestreute Gesangsphrasen untermalen die zwischen ...

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Opernwelt August 2025
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Anna Schors

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