Lieder von Tag und Nacht
Als Gerard Mortier im Jahr 2002 die erste Ausgabe der Ruhrtriennale programmierte, war sofort klar, dass das zeitgenössische Musiktheater einen neuen Experimentierraum gefunden hat. Auf ehemaligen Industriegeländen, abseits der üblichen Institutionen, Opernhäuser oder Konzertsäle, setzt dieses Festival von Anfang an auf alle möglichen Querverbindungen zwischen Musik, Theater, Tanz und Bildender Kunst.
Das hat zu einer reichen Palette von Perspektiven und Präsentationsformen geführt: von der Oper vor Ort über visuelle Musiktheater-Installationen bis hin zu Kreationen zeitgenössischer Komponisten.
Mit« I Want Absolute Beauty» im Jahr 2024 hat Ivo Van Hove (Intendant von 2024 bis 2026) der Ruhrtriennale ein neues, eigenwilliges Format hinzugefügt: Aufführungen, die auf dem Songkatalog von Musikikonen des 20. und 21. Jahrhunderts basieren. Für «I Want Absolute Beauty» stellte er Songs der Britin PJ Harvey in einen dramaturgischen Kontext, ohne jedoch Text hinzuzufügen. Die Liedtexte sind das sprachliche Element; ohne eine übergreifende Textkonstruktion werden nur sie zum Träger der Erzählung. Dadurch eröffnet sich ein weites Feld an Assoziationen und Atmosphären. Um die Schauspielerin ...
Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption befragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2025
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Koen Tachelet
Es ist eine pro domo-Publikation, herausgegeben von zwei Mit -arbeitern des Intendanten Dietmar Schwarz. Dieser verabschiedet sich nach 13 Jahren und bekommt bestätigt, was er am liebsten hört: «Tatsächlich haben Sie in 13 Jahren so viele Opern und Neukompositionen in Auftrag gegeben wie kein anderes Haus in Europa.» Darauf Schwarz: «Wenn das so stimmt, dann trifft...
Lemberg, das heutige Lwiw in der West-Ukraine, war ein kulturelles Zentrum des Habsburgerreiches und blieb es auch nach dessen Untergang. Ende der 1920er-Jahre hatte Józef Koffler dort eine Professur für atonale Harmonielehre und Komposition inne; er führte die Ideen der Schönberg-Schule weiter. Wie kommt es, dass sein Musiktheater «Alles durch M. O. W.» (1932),...
Den Begriff kennen wir aus der Philosophie des 17. Jahrhunderts. Anno 1649 verfasste René Descartes seinen legendären Tractatus logicus «Les Passions de l’âme» (Die Leidenschaften der Seele) und legte damit ein Traktat vor, das, wiewohl nur subkutan, erhebliche Wirkung vor allem auf jene Kunstform ausübte, die sich a priori glänzend eignete für diesen prekären...
